Wird der Patient zum Kunden – und zum König?

3d Männchen Kunde ist König

Ob Reiseplanung, Bankgeschäfte oder Stellensuche: In vielen Lebensbereichen sind wir heute auf elektronischen Wegen unterwegs. Die Folgen für die betroffenen Branchen und das Kräfteverhältnis zwischen Anbietern und Kunden sind teils tiefgreifend.

Auch das Gesundheitswesen wird zunehmend digital. Zum Glück! Denn Studien zeigen, dass mit der Digitalisierung von Abläufen im Schweizer Gesundheitswesen massiv Kosten eingespart werden könnten. Mit dem Bundesgesetz über das elektronische Patientendossier (EPDG) machen Bund und Kantone den nötigen Druck, damit die digitale Transformation angestossen wird.

Der Patient im Vorsprung

Doch was bedeutet diese Digitalisierung für das Verhältnis zwischen Arzt und Patient? Wie verändern sich Rollen und Kompetenzen, wenn vermutlich ab 2017 das elektronische Patientendossier eingeführt wird? Ohne Zweifel läutet dieser Schritt einen Kulturwandel in den Arztpraxen und Sprechstunden ein.

Patienten werden Einsicht in und Zugriff auf ihre medizinischen Dokumente verlangen – und zwar gesetzlich legitimiert durch das EPDG. Mehr noch: Sie werden diese Daten mit anderen teilen. Und viele von ihnen werden gegenüber ihren Ärzten zum ersten Mal einen Wissensvorsprung haben, weil sie sich in der digitalen Welt weit besser auskennen als der Durchschnittsarzt.

Der Arzt im Vergleich

Wer als Arzt die Digitalisierung verschläft, dürfte also schon bald in unangenehme Diskussionen mit seinen Patienten verwickelt werden. Er wird seinem Gegenüber zwar in der Interpretation medizinischer Daten weiterhin voraus sein. Er begegnet ihm aber nicht mehr auf Augenhöhe, wenn es um deren Bewirtschaftung und Nutzung in einem Netzwerk von Experten geht. Einem Netzwerk, das der Patient notabene selber definiert. Denn der Patient hat nicht nur jederzeit Einsicht in sein elektronisches Patientendossier. Er legt auch fest, wer darauf zugreifen darf – und wen er davon ausschliesst!

Ärzte werden künftig also stärker einem Vergleich ausgesetzt sein. Einerseits wird der Patient genau prüfen, welche Ärzte wie offen und transparent sind, wenn es darum geht, medizinische Daten und deren Interpretation zu teilen. Andererseits werden diese Interpretationen im elektronischen Patientendossier auch für andere Leistungserbringer sichtbar. Der Arzt wird vom Einzelkämpfer zum Teil eines Versorgungsteams. Seine Arbeitsweisen und Befunde und damit seine Leistung werden dadurch zum Diskussionsgegenstand.

Patient, Kunde, König?

Und was heisst das Ganze für den Patienten? Wird er im digitalen Gesundheitswesen zum Kunden und damit zum König? Wohl kaum. In der komplexen Welt der Medizin wird er immer angewiesen sein auf das Know-how und die Erfahrung von Ärzten, Therapeuten und anderen Fachpersonen. Diese sind nicht beliebig austauschbar. Und für viele Patienten wird eine vertrauensvolle und langfristige Beziehung zu ihrem Arzt zentral bleiben. Um dieses Vertrauen zu gewinnen, werden Ärzte künftig aber neben ihrer medizinischen auch ihre digitale Kompetenz beweisen müssen.

Was ist Ihre Meinung? Wie wird sich das Verhältnis zwischen Arzt und Patient in der digitalen Gesundheitswelt verändern? Diskutieren Sie mit!

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