Wie digitalisierte Betreuungsformen unser Leben verbessern können

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Am Kantonsspital St. Gallen werden zurzeit die Vorteile des Home Monitorings über das frei nutzbare webbasierte Gesundheitsdossier Evita untersucht. Im Interview gibt Studienleiter Dr. med. Frank Rassouli spannende Einblicke.

In der Schweiz ist der Zugang zu medizinischen Dokumenten per Bundesgesetz geregelt (alle Informationen zum elektronischen Patientendossier auf e-health-suisse.ch). Elektronische Gesundheitsdossiers können theoretisch gesehen aber viel mehr als nur medizinische Daten abspeichern und aufbewahren. Eine Plattform, die diese Theorie in die Praxis umsetzt, ist das webbasierte und kostenlos nutzbare Gesundheitsdossier Evita.

Evita ermöglicht sowohl das sichere Abspeichern und Teilen von medizinischen Daten als auch die Einbindung von Sensordaten, die von einfachen Consumer Apps bis hin zu komplexeren Vitaldaten reichen können. Die gewonnenen Daten kann der Patient dabei direkt mit einem behandelnden Arzt teilen. Die Vorteile dieses Sharing Systems werden derzeit am Kantonsspital St. Gallen mit COPD-Patienten untersucht. Hierfür füllen die Studienteilnehmer regelmässig einen Fragebogen auf Evita aus. Das System ermittelt daraufhin einen Messwert zur Entwicklung des Befindens, der direkt vom Arzt und dem Patienten eingesehen werden kann.

Dr. med. Frank Rassouli ist Oberarzt am Kantonsspital St. Gallen und für die Durchführung der Studie verantwortlich. Im nachfolgenden Interview gibt er spannende Einblicke in die laufende Studie und erzählt, was er sich persönlich für die Medizin erhofft.

Herr Dr. med. Rassouli, was ist der aktuelle Stand der Studie?
Unsere aktuelle internationale, randomisierte Studie zur telemedizinischen Mitbetreuung von COPD-Patienten hat am 01. Mai 2016 begonnen, nachdem die Pilotstudie Ende Januar 2016 erfolgreich abgeschlossen wurde. Die aktuelle Studie dauert zwei Jahre, das heisst bis Mitte 2018.

Was ist das Ziel Ihrer Studie?
Ziel der aktuellen Studie ist es zu überprüfen, ob die zusätzliche telemedizinische Mitbetreuung die Lebensqualität der Patienten verbessern kann. Weiterhin wird untersucht, ob die Anzahl der notfallmässigen Hospitalisationen vermindert werden kann. Daneben wird eine Vielzahl von weiteren klinischen Parametern untersucht.

Was erhoffen Sie sich persönlich von den Studienergebnissen?
Ich hoffe, dass eine solche Betreuungsform zusätzlich zur aktuellen bestmöglichen Behandlung die Lebensqualität verbessern kann. Ich kann mir gut vorstellen, dass auch die notfallmässigen Spitaleintritte vermindert werden können. Diese stellen kritische Ereignisse im klinischen Verlauf des Patienten dar und sind auch mit einer hohen finanziellen Belastung des Gesundheitssystems verbunden.

Wie empfinden Sie die Arbeit mit dem elektronischen Gesundheitsdossier Evita?
Evita ist eine ideale Plattform für unsere Studien, die Entwicklung der studienspezifischen „Module“ durch die IT-Spezialisten von Swisscom Health, mit denen wir eng zusammenarbeiten, läuft sehr gut.

Welche Vorteile sehen Sie bei Evita auf Patientenseite?
Bei Evita steht der Patient im Mittelpunkt. Er hat Zugriff auf alle Dokumente und Messwerte und entscheidet, wer sonst noch darauf zugreifen darf. Wir beobachten allein durch die Benutzung durch die Patienten einen Lerneffekt über ihre Erkrankungen, weiterhin werden sie durch die im Rahmen der Studie täglich gestellten Fragen für die typischen Alarmzeichen der COPD sensibilisiert. Der Kontakt mit dem betreuenden medizinischen Team wird vereinfacht und intensiviert, was meiner Meinung nach die Betreuung verbessert.

Bild: Fotolia

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