360°-Tour durch den Bauch: Wie nützlich sind 3D-Scans von Föten?

Ein neuer 3D-Scan ermöglicht 360°-Ansichten des ungeborenen Kindes. Die Entwickler hoffen, Ärzte damit bei der Früherkennung von Anomalitäten während der Schwangerschaft zu helfen. Viele sehen im neuen Scanner allerdings nur ein „nice to have“ für wohlhabende Eltern.

MRI trifft auf Virtual Reality

Der 3D-Scan wurde unter Dr. Heron Werner an der brasilianischen Clínica de Diagnóstico por Imagem and colleagues in Rio de Janeiro entwickelt. Er basiert auf Magnetresonanztomographie (MRI), fortgeschrittener Computertechnologie sowie dem Virtual Reality-System Oculus Rift. Gemäss Werner erstellt der 3D-Scan viel klarere und schärfere Bilder als etwa der Ultraschall oder gewöhnliche MR. Selbst Aufnahmen aus dem Innern des Fötus sollen möglich sein. „The 3-D fetal models combined with virtual reality immersive technologies may improve our understanding of fetal anatomical characteristics and can be used for educational purposes and as a method for parents to visualize their unborn baby“, hielt Werner am Meeting der Radiological Society of North America fest, wo der neue 3D-Scan vorgestellt wurde.

3D-Scan versus Ultraschall

Die amerikanische Food and Drug Administration hält gemäss NBC News wenig von der Entwicklung. Ihr zufolge reiche ein Ultraschall aus, um die Entwicklung des Fötus zu kontrollieren. Weitere Untersuchungsformen seien, wenn überhaupt, erst dann angesagt, wenn der Ultraschall Irregularitäten aufweist. Zumindest in der Früherkennung macht dies den 3D-Scan unnötig. Werner und Kollegen sind allerdings davon überzeugt, dass ihre Entwicklung von grossem Nutzen für Forschung und Praxis sein wird: „We believe that these images will help facilitate a multidisciplinary discussion about some epathologies in addition to bringing a new experience for parents when following the development of their unborn child.“

Ein „nice to have“ ohne Mehrwert?

Es ist ebendiese „neue Erfahrung“ für Eltern, die bei den Gegnern des 3D-Scans am meisten aneckt. Dr. Deborah Levine, Professorin für Radiologie am Beth Israel Deaconess Medical Center und an der Harvard Medical School, hält die Bilder für schön, aber nutzlos. Sie befürchtet, dass die neue Technologie dazu führt, dass werdende Eltern noch häufiger und auf immer ausgefallenere Art Bilder von ihrem ungeborenen Kind erstellen lassen wollen. Dass sowohl Ultraschall- als auch MRI-Technologien auf die Dauer schädlich für das Baby sein können, wissen die wenigsten. „We should use medical imaging only when it is medically needed“, fasst Levine zusammen. Ob sich der 3D-Scan in der Praxis durchsetzt, bleibt also abzuwarten.

„3-D Scan Lets Parents and Doctors Really See Babies in the Womb“ (NBC News, 21.11.2016)

Hinweis: Das Beitragsbild (Quelle: fotolia) zeigt keinen in alle Richtungen drehbaren 3D-Scan, wie er im Artikel beschrieben wird.

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