Spitalinformation.ch: Mehr Transparenz für Patienten?

Viel Glas macht noch kein transparentes Spital.

Standen Sie schon einmal vor einer Operation und waren unsicher für welches Spital Sie sich entscheiden sollten? Natürlich möchte ich in einer solchen Situation genau wissen, welche Kliniken oder Ärzte optimal für mein Leiden gewappnet sind. Schliesslich geht es um meine Gesundheit und die hat höchste Priorität. Aber wo finde ich diese Information? In meinem letzten Beitrag habe ich darüber geschrieben, wie man einen guten Arzt findet. Heute geht es um die Spitalsuche.

Auf der Website www.spitalinformation.ch, einer Initiative des nationalen Spitalverbandes H+, finde ich Hilfe. Hier kann ich nach Spitälern in meiner Nähe suchen, die am meisten Erfahrung mit der Behandlung meines Leidens haben. Das klingt vielversprechend, ich probiere es aus: Ich suche auf der Website nach einem Spital in der Nähe von Zürich, das mich im Bereich der «Chirurgie Bewegungsapparat» behandeln könnte, beispielsweise bei einem Arm- oder Beinbruch.

Beim Suchergebnis werden mir insgesamt 25 Spitäler im Umkreis von Zürich angezeigt. Ich kann für jedes der 25 Spitäler nachschauen, wie viele Fälle – also Patienten –  in der Kategorie «Chirurgie Bewegungsapparat» behandelt wurden. Keine Überraschung: Ganz zuoberst auf der Liste steht die Schulthess Klinik mit insgesamt 1’505 behandelten Fällen. Klicke ich auf die Schulthess Klinik, so erhalte ich zusätzliche Informationen zum Angebot, zu Qualitätsberichten und darüber, was das Spital tut, um seine Behandlungsqualität laufend zu verbessern.

Ersetzt die Website nun die Empfehlung meines Hausarztes, wo ich meine Operation durchführen soll? Nein!  Die Fallzahl allein sagt noch nichts über die Behandlungsqualität eines Spitals aus. Auch ist der Detaillierungsgrad der Daten viel zu tief. So sehe ich beispielsweise nicht, ob das Spital und die dort operierenden Ärzte mit einer spezifischen Art einer Meniskus-Operation vertraut sind. Interessant wäre es ausserdem zu erfahren, wie oft Komplikationen wie z.B. Infektionen aufgetreten sind oder wie häufig eine Nachoperation nötig war. Auch fehlen Daten darüber, wie es den Patienten ein Jahr nach ihrem Eingriff geht: Ist das Leiden verschwunden oder ist es allenfalls sogar schlimmer geworden? Alles Faktoren, die für eine effektive Beurteilung der Behandlungsqualität oder der Wahl eines Spitals nötig wären.

Mein Fazit lautet also: Die Website ist im besten Fall ein guter Einstieg in die Diskussion mit Ihrem Hausarzt. Effektiv hilft sie aber nur wenig bei der Entscheidungsfindung. Die persönlichen Beziehungen Ihres Hausarztes oder der gute Ruf eines spezifischen Arztes sind viel wichtiger zur Beurteilung des am besten geeigneten Spitals. Trotz aller genannten Einschränkungen ist Spitalinformation.ch ein lobenswerter, guter erster Schritt in Richtung mehr Transparenz im Schweizer Gesundheitswesen – gerade auch für Patienten! Was denken Sie? Genügt Ihnen eine Empfehlung Ihres Hausarztes, dem Sie vertrauen oder wollen Sie mehr und unabhängige Informationen?

2 Kommentare “Spitalinformation.ch: Mehr Transparenz für Patienten?

  1. Und was immer fehlt, wie alt sind die Patienten beim Eintritt, was haben sie sonst schon für andere Krankheiten, in welcher Allgemeinverfassung sind sie, haben Sie besagte Organe schon vorher anderswo ganz oder teilweise operiert erhalten und kommen nun zu Nachbesserung etc. etc. viele viele Fragen.
    Und wie sind die Patienten beim Eintritt Psychisch zwäg, sind es Jammeri oder sind es eher robuste Personen, schmerzresistente, eher zufriedene, demütige oder wegen allem und jedem aufbegehrende, mit allem unzufrieden und stets Konflikte suchend etc. etc.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *