Telemedizin – Die Zukunft der medizinischen Versorgung?

Die Telemedizin ist rund um den Globus auf dem Vormarsch. In der Schweiz wird ihr Nutzen derzeit mit einem umfassenden Forschungsprojekt an COPD-Erkrankten untersucht, eine ähnliche Studie wurde diesen Mai am Medical Center der University of Rochester mit Parkinsonerkrankten abgeschlossen. Auch die Universitätsklinik Mainz setzt auf Telemedizin in der Kinderchirurgie – und eine neue App aus der Schweiz bietet sogar rund um die Uhr ein virtuelles Sprechzimmer an.

Überbrückung von Distanz

Unter «Telemedizin» versteht man die Überbrückung von räumlichen oder zeitlichen Distanzen zwischen Leistungserbringern und Patienten. Dies kann auf unterschiedlichste Art und Weise geschehen. Für eine direkte Konsultation bieten sich beispielsweise Videoübertragungen an. Auch die Begleitung von chronisch Erkrankten wird durch die Telemedizin erleichtert. Am stärksten verbreitet ist die Telemedizin zurzeit in der Schlaganfallversorgung, wo sie dazu dient, Regionen ohne ausreichende Grundversorgung durch Neurologen und Stroke Units zu sichern und via Telefon und Videokontakt bei akuten Schlaganfällen zu helfen. Telemedizinische Behandlungsmethoden sind folglich auf dem Vormarsch. In der Schweiz gibt es beispielsweise seit diesem Jahr eine App, die rund um die Uhr eine von der Krankenkasse anerkannte Video-Konsultationen ermöglicht.

Neue Studien untersuchen Vorteile der Telemedizin

Telemedizinische Massnahmen haben grundsätzlich immer dieselben Ziele: Die Reichweite von medizinischer Versorgung erhöhen, die Lebensqualität der Patienten steigern und Gesundheitskosten senken. Eine Studie an fünf Schweizer und einer deutschen Klinik untersucht zurzeit, wie die genannten Faktoren durch den Einsatz des elektronischen Gesundheitsdossier evita begünstigt werden können.

Eine ähnliche Untersuchung wurde im Mai am Medical Center der University of Rochester abgeschlossen. Für die Studie teilten die Forscher 195 Parkinsonpatienten in zwei unterschiedliche Behandlungsgruppen ein: Die eine erhielt die übliche neurologische Versorgung in einer Praxis, die andere zusätzlich die Möglichkeit, während eines Jahres viermal eine telemedizinische Sprechstunde mit einem Neurologen zu nutzen.

Die Studie zeigte, dass telemedizinische Konsile mit Neurologen, welche die Parkinson-Patienten zuvor nicht gekannt haben, vergleichbare Behandlungsergebnisse erbrachten wie der persönliche Besuch beim Neurologen. Gerade für immobile Patienten oder akute Notfälle birgt die Telemedizin also grosse Vorteile.

Telemedizinische Services an deutscher Klinik

Weiter vorangeschritten ist man an der Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie der Universitätsmedizin Mainz, wo der telemedizinische Service «Mainz-Tele-Surgery – MATS» eingeführt wurde. MATS ist eine internationale Beratungsplattform für Patienten respektive Eltern zur telemedizinischen Nachsorge, Beratung, Einholen einer Zweitmeinung, aber auch für Ärzte, die eine kinderchirurgische Beratung suchen. «Langfristiges Ziel ist es, durch ein seriöses alternatives Onlineangebot von Experten zu vermeiden, dass Laien sich ihr tendenziell gefährliches Halbwissen auf weniger adäquaten Internetquellen aneignen und eventuell unbegründete Ängste entstehen», wird die Klinik gemäss Ärztezeitung zitiert.

Quellen:

Höhere Lebensqualität, tiefere Kosten (Swisscom, 23.05.2017)
Das erste Schweizer Online-Sprechzimmer (bluewin.ch, 27.04.2017)
The promise of telemedicine for chronic neurological disorders: the example of Parkinson’s disease (The Lancet Neurology, 26.05.2017)
Telemedizin geeignet für Versorgung von Parkinsonpatienten (Ärzteblatt, 30.08.2017)
Universitätsklinik Mainz setzt auf Telemedizin in der Kinderchirurgie (Ärzteblatt, 05.09.2017)

Bild: Fotolia

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