Studierende tüfteln an E-Health Innovationen

Studierende tüftelten an verschiedenen Applikationen rund um Verhütungsmöglichkeiten. So entstand beispielsweise die Idee von SteadyCare: Mit dieser App ist die Patientin auch nach dem Termin beim Frauenarzt medizinisch betreut. © WavebreakMediaMicro - Fotolia.com

Die Beziehung zwischen Arzt und Patient hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt. Auf Ärzteseite besteht wachsender Kostendruck, und die Zeit für Konsultationsgespräche ist knapp bemessen. Auf der anderen Seite haben Patienten dank technologischer Entwicklungen besseren Zugang zu gesundheitsrelevanten Informationen und können sich unabhängig vom Arzt informieren. Dies wiederum spart Zeit beim Gespräch mit dem Arzt. Je länger je mehr steht nämlich nicht nur die Informationsvermittlung im Vordergrund, sondern das gezielte Eingehen auf Fragen und Unsicherheiten des Patienten.

Diese Entwicklung zu unterstützen, war das Ziel eines Moduls des Studiengangs Interaction Design der Zürcher Hochschule der Künste. In einem Kooperationsprojekt mit der Pharmafirma Bayer setzten sich die Studierenden mit der Konzeption und Gestaltung digitaler Health-Dienste auseinander. Konkret sollten innovative Informations- und Kommunikationstools für Fragen rund um die Verhütungsmöglichkeiten für Frauen entworfen werden. Entstanden sind dabei vier verschiedene Applikationen:

Insight
Die Service-Lösung insight bietet der Nutzerin einen Wissenspool mit medizinischen Fakten und Erfahrungsberichten. So kann sie sich ihre eigene Meinung bilden. Über das Arztportal kann die Ärztin der Patientin gezielt Informationen zu den verschiedenen Verhütungsmitteln zukommen lassen. So kann die Patientin ihrer Ärztin die Dinge sagen, die ihr wichtig sind. Das Journal bietet der Patientin die Möglichkeit, ihr eigene Geschichte, Gedanken und Gefühle festzuhalten.

You
Über Verhütung gibt es viele Informationen im Internet. Doch oft gibt es auch individuelle Fragen, da reicht Fachwissen alleine nicht aus. Die App YOU setzt genau hier an. Sie stellt den Dialog in den Mittelpunkt. Angie, Claudia, Sophie und Diana sind vier fiktive Verhütungsexpertinnen mit unterschiedlichen Charakteren und Sichtweisen. Sie geben der Patientin in einem geschützten Rahmen zu jeglichen Fragen Antwort. Sie beraten sie vertrauenswürdig und persönlich. Ziel ist, der Patientin neue Blickwinkel auf die Thematik zu geben.

SteadyCare
Mit steadyCare ist die Nutzerin auch nach dem Termin beim Frauenarzt medizinisch betreut. So kann die Ärztin ihrer Patientin Artikel zu spezifischen Verhütungsmöglichkeiten, die bei der Konsultation besprochen wurden, senden. Zudem können medizinische Informationen nachgeschlagen werden. Auch kann die Nutzerin Beobachtungen und Fragen, beispielsweise zur gewählten Verhütungsmethode, notieren, Die eigene Krankengeschichte, Diagnosen und verschriebene Medikamente sind ebenfalls abrufbar.

ReCap
Der durchschnittliche Patient hat beim Verlassen der Arztpraxis bereits 80% vom Besprochenen vergessen. Genau hier setzt die Applikation ReCap an. Der Arzt zeigt der Patientin mit ReCap genau jene Informationen und Medikamente, die sie benötigt. Am Schluss des Gespräches erhält die Patientin ein Protokoll der Konsultation in einer für sie verständlichen Sprache. Ausserdem gibt es eine Übersicht der vergangenen und bevorstehenden Arzttermine sowie ein Rezept. Wenn die Patientin möchte, kann sie sich auch alle Informationen auf ihr Smartphone laden lassen. So hat sie jederzeit von überall Zugriff auf die letzten Konsultationen, kann das Besprochene nochmals nachlesen und die wichtigsten Informationen dazu abrufen.

Die Ergebnisse weisen auf eine spannende Entwicklung in der Arzt-Patienten-Interaktion hin. Sie zeigen nicht nur, dass im Einsatz mobiler Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten grosses Potential liegt, sondern auch dass in deren Nutzung grosse Vorteile liegen. Denke man doch beispielsweise an die Ideen der oben beschriebenen Apps. Die Patientin erhält genau die Informationen, die wichtig für sie sind. Im besten Falle, hat sie sich grundsätzlich ausserhalb der Arztpraxis für eine für sie geeignete Lösung entschieden. Der Arzt kann dann gezielt auf individuelle Bedürfnisse und Unsicherheiten eingehen.

Möchten Sie mehr zum Thema Verhütung und Apps erfahren? Dann lesen Sie unsere Blogs „Sind Zyklus-Apps wirklich sicher“ und „Kinderwunsch – Mit der richtigen App zum Wunschkind“.

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