Spital – Spitäler – am Spitälsten

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Seit 2012 gibt es die freie Spitalwahl, ich habe also die Qual der Wahl, denn ich möchte bei einem Spitalaufenthalt ja möglichst vom erfahrensten Arzt operiert und vom besten Team gepflegt werden. Seit einiger Zeit helfen mir dabei Spitalvergleichsplattformen. Die Neuste heisst www.spitalfinder.ch und wird vom Krankenkassenverband Santésuisse zur Verfügung gestellt. Ich mache mich also auf die Suche: Welches Spital eignet sich am besten für eine Meniskusoperation?

Beim Aufstarten der Seite irritiert mich das Warterädchen: «Spitaldaten werden aufbereitet». Ich starre auf den Balken, der sich langsam füllt und mir wird bewusst, dass dem Tool eine riesige Datenbank hinterlegt sein muss. Jetzt geht’s los auf der Startseite – ich kann entweder zwischen Uniklinik, Zentrums- oder Regionalspital wählen oder die Suche via geografischen Raum einschränken.

In der Kategorie Krankheitsbild klicke ich die Orthopädie an. Leider ist da unter den vielen möglichen Eingriffen keine Meniskusoperation aufgelistet. Nur grössere OPs wie «Erste Hüftprothese», «unkomplizierte Bandscheiben OP»  und «Schenkelhalsbruch» fungieren da. So entscheide ich mich für «erste Knieprothese», um das Portal weiter testen zu können. Da finde ich nun eine Liste von Spitälern mit der Anzahl OPs, die sie auf diesem Gebiet durchgeführt haben. Die Anzahl Fälle bezieht sich jedoch nicht auf ein einzelnes Spital, sondern auf eine Spitalgruppe. Ich kann also die Zahlen direkt nicht zuweisen und fühle mich verunsichert. Erstaunlicherweise ist bei gewissen Spitälern die Mortalitätsrate beim Einsetzen einer Knieprothese sehr hoch. Ob da etwas nicht stimmt? Ich habe noch nie gehört, dass jemand bei einer solchen OP verstorben ist. Erklärt wird der Parameter nirgends.

Eine interessante Funktion ist der Spitalvergleich, bei dem ich zwei Spitäler auswähle und gegenüberstelle. Auf einen Blick sehe ich die Anzahl der OPs, die Patientenzufriedenheit und die Mortalitätsrate Die Patientenzufriedenheit wird durch rote und grüne Punkte angezeigt. Grün bedeutet besser als der Schnitt der Spitäler, rot schlechter. Wieso die einen Punkte bei gleicher Bewertungszahl grün und die anderen rot sind, verstehe ich nicht.

Die Website ist insgesamt nicht sehr userfreundlich. Ich sehe zum Beispiel nicht, auf welcher Unterseite ich mich befinde. Dies wäre hilfreich, vor allem, weil jeder Seitenaufruf relativ lange dauert. Die Navigation ist schwerfällig, zum Teil funktionieren die Zurück-Pfeile nicht und ich muss das Portal wieder neu herunterladen. Das Tool weist also noch ein beachtliches Optimierungspotenzial auf.

Ich will es genauer wissen und teste auch noch die zwei anderen Plattformen, die es schon länger gibt. Die eine heisst www.spitalinformation.ch und ist seit sieben Jahren aufgeschaltet. Die Fachbegriffe wie Ophtalmologie machen mir sogleich den Garaus, so dass ich mich lieber der dritten widme, die www.welches-spital.ch heisst. Hier finde ich mich etwas besser zurecht. Eine Meldung zeigt mir an, was gerade geladen wird. Zu «Implantation von Knieprothese» erscheint eine Top-Liste von 20 Spitälern. In einem Rating erhalten die Spitäler einen bis fünf Sterne. Wie dieses Rating berechnet wurde, ist aber nicht erklärt. Ich sehe auch nicht, wie viele Fälle operiert wurden oder wie viele Ärzte diese OP durchführten.

Auf keinem der drei Portalen ist es möglich, eine Anzahl Operationen einem bestimmten Arzt zuweisen. Obwohl dies das entscheidende Kriterium ist. Hilfreich wäre auch eine Suchfunktion, die leider auf allen Portalen fehlt.

Am nächsten Tag bestätigt der Hausarzt Dr. Thomas Kissling in der Sendung «Puls» meinen Eindruck. Die Spitalvergleichsportale sind mit Vorsicht zu geniessen. Es ist empfehlenswert, sie zusammen mit einer Fachperson anzuschauen, um die medizinischen Begriffe verstehen zu können. Zudem wurden aus grossen Datenmengen Ratings erstellt, die nicht in allen Fällen korrekt sind. Zu viele Daten wurden aufaddiert und vermischt. Dr. Kissling empfiehlt, bei der Wahl des Spitals den Hausarzt um Hilfe zu bitten und bei Bekannten nachzufragen. Meine Schlussfolgerung: Spitalvergleichsplattformen geben mir eine gewisse Übersicht über die Spitäler und welche Operationen sie wie häufig durchführen. Auch die Patientenzufriedenheit wird gut vermittelt. Wenn mir aber eine Operation bevorsteht, bin ich besser beraten, eingehende persönliche Nachforschungen anzustellen. Nur so kann ich sicher sein, dass ich den richtigen Arzt und das richtige Spital auswähle.

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