„Social Media Diät“ – Essen fotografieren und abnehmen?

Neue Studien behaupten: Wer sein Essen fotografiert, kann seine Ernährungsgewohnheiten besser einschätzen. Dadurch essen wir nicht nur bewusster, sondern auch weniger.

Haben Sie schon einmal für Instagram oder Facebook Ihr Essen fotografiert? Ob im Restaurant, bei Freunden oder zu Hause: Schnell ist das Handy gezückt, um die Nahrungsaufnahme für die Nachwelt festzuhalten. Ist das noch #foodporn oder schon #oversharing? Zumindest die Ernährungsberatung 2.0 scheint den Trend zu begrüssen.

Bilder erleichtern die Erinnerung

Ärzte und Ernährungsberater haben das Food-Pic bereits für die Gesundheit entdeckt: „Wenn Menschen beim Arzt danach gefragt werden, was und wie sie essen, wollen sie zwar nicht lügen, aber sie sind sicher daran interessiert, ihre Ernährung positiver darzustellen, als sie ist“, schreibt Gesundheitswissenschaftlerin Mary Cluskey im Fachmagazin Nutrients. Oft falle es Patienten auch schwer, genaue Angaben über ihr Essverhalten zu machen. Dabei ist die Einsicht, dass man zu viel vom Falschen ist, mitunter das Wichtigste bei einer Diät.

In solchen Fällen hilft das Fotografieren: Martin Halle, Chef der Sportmedizin an der Technischen Universität München, empfiehlt diätwilligen Personen, ihr Essverhalten drei Tage lang zu fotografieren – und zwar von der grossen Hauptmahlzeit bis hin zum kleinen Snack im Nachmittagstief. „Die meisten Menschen machen sich gar nicht klar, was da im Laufe eines Tages zusammenkommt“, sagt er gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Durch das Fotografieren des Essens schaue sich der Patient besser auf die Finger: „Wer sich selbst mit Chips vor dem Fernseher sieht, der isst weniger davon“. Eine Studie der University of Southern California hat zudem herausgefunden, dass wir unser Essen mehr geniessen und weniger essen, wenn wir ein fotografisches Erlebnis daraus machen.

Herausforderung: Das Foto richtig interpretieren

Mit dem Bild allein ist es jedoch nicht getan: Ernährungsberater und Ärzte werden heute speziell geschult, um das Essen auf Bildern richtig zu interpretieren und potenzielle Fettfallen zu entlarven. Darüber hinaus müssen auch Patienten mit den Bedürfnissen ihres Körpers und den Basics der gesunden Ernährung vertraut sein. Fotos kommen der Selbstbeobachtung entgegen: Sie sind nicht nur unbestechlicher als Notizen oder Erinnerungen, sondern auch einfach und schnell gemacht.

Sollten Sie künftig also wegen ihres übermässigen Food-Sharings aufgezogen werden, dann schieben Sie ihr Verhalten einfach auf Ihre Diätpläne ab. Das perfekte Bild entsteht laut Cluskey übrigens im Stehen bei gutem Licht im 45-Grad-Winkel.

Quellen:
„Satt fotografiert statt satt gegessen“ (Süddeutsche Zeitung, 08.03.2017)
„Image-Based Dietary Assessment Ability of Dietetics Students and Interns“ (Nutrients, 07.02.2017)
Women’s Health (Mai-Ausgabe 2017)
Bild: Fotolia

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