Smartphone-Nutzung verändert unser Gehirn

Unser Gehirn: Ein unglaublich komplexes Denk-Organ. © koya 979 - Fotolia.com

Der Gebrauch von Smartphones hinterlässt Spuren in unserem Gehirn: Gemäss einer Studie verändert sich durch das ständige Wischen auf dem Touchscreen das zuständige Hirnareal für Daumen und Zeigefinger. Demnach reagiert es sensibler und stärker auf Reize als vorher.

Unser Gehirn ist unglaublich faszinierend. Auf unserem Blog „gesund und digital“ berichteten wir auch schon über unser komplexes Denk-Organ. Nun fanden Forschende der Universitäten Zürich und Fribourg zu einer neuen Erkenntnis über unser Gehirn. Sie untersuchten in einer Studie die Auswirkungen der Smartphone-Nutzung auf die kortikale Hirnaktivität. Dazu berührten sie nacheinander die Fingerspitze des Daumens-, Zeige- und Mittelfingers der Probanden, darunter 26 Touchscreen-Nutzer und 11 Nutzer von herkömmlichen Tastenhandys. Während dem zeichnete ein Elektroenzephalogramm (EEG) die Hirnströme der Studienteilnehmenden auf. Anhand dieser Daten lässt sich ablesen, wie stark die entsprechenden Hirnareale auf die Berührungen reagierten.

Die Forschenden zeigten sich über das Ergebnis überrascht: Hirnareale von Touchscreen-Nutzern reagierten für alle drei Finger stärker auf die Berührung als Nutzer von Tastenhandys. Die Reaktion bei Daumen- und Zeigefinger war dabei umso deutlicher, je häufiger und länger die Probanden ihr Smartphone in den vergangenen zehn Tagen genutzt hatten. Die Resultate zeigen, wie stark alltägliche Handlungen unser Gehirn beeinflussen. Die Bedienung einer Touchscreen-Oberfläche sensibilisiert unser Gehirn für selbst kleinste Tasteindrücke.

Dass unser Gehirn sich in Abhängigkeit unserer Aktivitäten verändert, ist schon länger bekannt. Es gibt bestimmte Hirnareale, in denen Reize für alle Körperbereiche verarbeitet werden. Diese sind plastisch und können sich verändern. Bei Berufsmusikern zeigen sich beispielsweise diejenigen Hirnareale vergrössert, welche die Fingerbewegungen steuern. Während die Hirnaktivität dieser Musiker jedoch abhängig vom Alter ist, in dem sie das Instrument erlernten, spielte es für die Hirnveränderungen bei Smartphone-Nutzern keine Rolle, wie lange sie das Telefon bereits benutzten. Im Gegensatz zu den früheren Studien mit Musikern fand sich bei der Smartphone-Studie dafür ein linearer Zusammenhang zwischen Hirnaktivierung und der letzten Nutzung des Geräts. Die Plastizität des Gehirns scheint also deutlich grösser als ursprünglich angenommen, da bereits nach wenigen Wochen Veränderungen messbar sind.

Welche Mechanismen hinter diesen Erkenntnissen stecken, muss erst noch erforscht werden. Die digitale Technologie scheint aber nicht nur unser Kommunikationsverhalten, sondern auch unsere Reizverarbeitung bedeutsam zu prägen.

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