Neues Jahr, neues Glück? Warum unser Gehirn nichts von unseren Vorsätzen wissen will

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Mehr Sport, weniger rauchen, gesünder essen … Im Januar haben sie wieder Hochkonjunktur: Die Neujahrsvorsätze. Während wir verbissen unser Probeabo im Fitnessstudio ausreizen, fragen sich Psychologen und Forscher, warum unser Wille über kurz oder lang trotzdem schlappmachen wird. Warum fällt es uns so schwer, schlechte Angewohnheiten zu ändern? Gibt es Methoden, die unserer Motivation auf die Sprünge helfen? Spannende Antworten und Möglichkeiten liefert ein Artikel von Stefanie Maeck auf spiegel.de.

Das Gehirn im Energiesparmodus

Forscher beschäftigen sich seit längerem mit den neurobiologischen Grundlagen für unsere emotionale Verhaltenssteuerung. Gerhard Roth, Biologe und Neurologe am Institut für Hirnforschung der Universität Bremen, beobachtet, dass eine Abkehr von alltäglichen Gewohnheiten Unlust, Schmerz oder gar Angst auslösen kann. Diese Reaktion ist unserem Gehirn geschuldet: Es liebt automatisierte Gewohnheiten, da sie Energie sparen. In manchen Fällen kommt es dabei sogar zur Ausschüttung von hirneigenen Opioiden, die eine beruhigende Wirkung entfalten. Aus Sicht unseres Gehirns braucht es demnach einen guten Grund, um Automatismen aufzugeben. Folge: Der Verzicht auf die morgendliche Zigarette oder den abendlichen Schokoriegel fällt schwerer.

Raus aus dem Hamsterrad: Das hilft wirklich

Für die erfolgreiche Veränderung von Gewohnheiten benötigt das Gehirn rund 21 Tage: In diesem Zeitraum werden unser neurochemisches Netz umprogrammiert und neue Verschaltungen gefestigt. Allein das Wissen, dass unser Gehirn uns in dieser Zeit mit alten Belohnungserwartungen auszutricksen versucht, kann das Durchhalten einfacher machen. Psychologen empfehlen auch die Arbeit mit To-Do-Karten, auf denen wir unsere wichtigsten Ziele für den nächsten Tag notieren. Auslöserreize, etwa die fertiggepackte Sporttasche neben der Haustür, seien ebenfalls hilfreich. Andere Forscher schwören auf einen sogenannten „Wenn-Dann“-Plan: Indem wir vordefinieren, wie wir auf eine schwierige Situation reagieren, entlasten wir unser Gehirn im entsprechenden Moment und steigern die Wahrscheinlichkeit, dass wir unsere Ziele trotz Hindernissen erreichen. Hilft das alles nicht, sollte man vielleicht den Umfang seines Ziels überdenken. Unter Umständen ist eine Zerlegung in Mikroziele sinnvoll: Statt einer Stunde Sport pro Tag begnügt man sich anfangs einfach mit zehn Minuten. Auch in kleinen Schritten kommt man vorwärts.

Als sinnlos erweist sich überraschenderweise die Methode, positiv an sein Ziel zu denken. Die Psychologin Gabriele Oettingen stellte fest, dass Frauen auf Diät, die besonders optimistisch an ihr zukünftiges schlankes Ich dachten, weniger erfolgreich abnahmen als solche, die von vornherein mit Schwierigkeiten rechneten. Es wird vermutet, dass die Optimistinnen bereits durch die positive Imagination eine Belohnung erfuhren: „Die Frauen fühlten sich also allein durch ihre Tagträumereien gut und verwendeten weniger Energie auf das Ziel, nämlich das Abnehmen. Die Lehre: Träumer handeln nicht“, fasst Maeck in ihrem Artikel zusammen. Statt sich an das positive Bild des zukünftigen Ichs zu klammern, empfiehlt Psychologin Oettingen, den Fokus auf mögliche Stolpersteine zu legen, um seine Ängste zu kontrollieren und ins Handeln zu kommen.

Mikroziele setzen, Schwierigkeiten antizipieren, einen Risikoplan erstellen und dem Gehirn drei Wochen Zeit zur Angewöhnung geben. Es klingt definitiv einfacher, als in die Tat umgesetzt. Dafür wird die Freude im Erfolgsfall umso grösser sein.

Quelle:
„Im  neuen Jahr wird alles anders, oder?“ (spiegel.de, 31.12.2016)
Bild: Fotolia

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