Neue App: Optimierter und gesünder Musik hören

Gastbeitrag

Nicht nur die Meeresspiegel, sondern auch die Geräuschpegel steigen weltweit an. Die Lärmwirkungsstudie NORAH zeigte auf, inwieweit alltäglicher Lärm zunehmend unsere Hörwahrnehmung beeinflusst. Die digitale Welt hat reagiert und jetzt ist eine App auf dem Markt, mit der jeder seinen individuellen Hörtest machen und die Einstellungen seines Musikplayers optimal daran anpassen kann. Das ist Hören 4.0.

Wer nicht hören will, muss fühlen? Nein, das ist wahrlich keine zeitgemässe Weisheit mehr. Die Geräuschkulissen der Grossstädte werden immer lauter und aufdringlicher. Und Strategien gegen Lärmbelästigung entwickeln, hat nichts mit Renitenz zu tun. 2015 fand die NORAH Studie (Noise-Related Annoyance, Cognition, and Health) heraus, dass Lärm krankmacht – vor allem Grossstädter sind davon betroffen. Gegenstand der Studie war es, den Einfluss des Verkehrslärms auf die Bevölkerung im Rhein-Main-Gebiet zu untersuchen. Im Fokus stand hierbei zunächst der Einfluss von Verkehrslärm auf die Gesundheit, Lebensqualität und die geistige Entwicklung von Kindern. Die Ergebnisse in der „Studie zu Krankheitsrisiken“ waren erschreckend: Lärm kann zu Depressionen, Schizophrenie oder Herz-Kreislauferkrankungen führen, insbesondere wenn die Dezibel-Zahlen in der Umgebung bei weitem die Normalwerte übersteigen, wie zum Beispiel rund um Flughäfen.

Doch nicht nur das: Die Lebensqualitätsstudie zeigte, dass die Wahrnehmung von Lärm sehr subjektiv ist und ein und dasselbe Geräusch von zwei Menschen durchaus unterschiedlich wahrgenommen werden kann. Manch einer lässt sich durch leichte Hintergrundgeräusche bereits aus der Ruhe bringen, manch anderer reagiert bei Fluglärm gelassen. Und zudem haben die Wissenschaftlerteams aus den Bereichen Medizin, Psychologie, Sozialwissenschaft, Physik und Akustik nachgewiesen, dass bereits jeder Fünfte über vierzehn Jahre heutzutage schlecht hört.

Was früher also eher ein Zeichen des frühzeitigen Alterns war, ist im Jahr 2017 bitterer Alltag für Menschen bereits ab Ende zwanzig. Und die Entwickler der Smartphone-App „Mimi“ haben diese Entwicklung ernst genommen und einen individuellen Hörtest als App für den Alltag entwickelt. Die Idee der App ist es, das sogenannte individuelle „Hör-Alter“ zu bestimmen. Der Test funktioniert dabei wie eine abgewandelte Variante eines richtigen Hörtests, bei welchem der Proband auf einen Knopf drücken muss, sobald ein bestimmter Ton hörbar ist. Damit kann sich jeder einen unmittelbaren Eindruck davon machen, inwieweit das eigene Hör-Organ bereits zu viel des äusseren Lärms ausgesetzt war.

Musik macht glücklich – auch bei der Arbeit

Hören ist individuell – auch ein Ergebnis der NOAH-Studie – und so geht es auch der App darum, dass die per Test gewonnen Daten direkt an die Mimi-Sound-App weiterleitet werden, mit der Musik gehört werden kann. Die so „mimifizierten“ Musikstücke klingen dann nicht nur weitaus differenzierter und transparenter, sondern sie sind auch gesünder für die Hör-Organe. Studien haben bewiesen, dass Musik im Alltag sowie bei der Arbeit Glückshormone ausschütten, die Konzentration fördern und von Störungen der Aussenwelt ablenken kann. Was wäre also naheliegender, als diese Prozesse noch weiter durch technische Hilfen wie eine App zu optimieren, die den Klang je nach Zustand der Hörfunktionen personalisiert?

Es nicht verwunderlich, dass App-Ingenieure neben den Herstellern der Mimi-App auch andere bereits auf dieselbe Idee gekommen sind. So zum Beispiel „Aumeo-Audio“, die ein echtes Gerät für die Tasche konzipiert haben, welches den Musiksound den jeweils persönlichen Hörgewohnheiten entsprechend anpasst.

Von der App zum Hörgerät

Menschen von heute hören immer schlechter und dennoch sind Hörhilfen in der Gesellschaft eher verpönt und Ausdruck einer Schwäche, zu der niemand gern zu stehen bereit ist. Daran kann sich aber etwas ändern und die Berliner Charité hat bereits ein Auge auf die App-Entwicklungen geworfen und damit begonnen, im Rahmen eines vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Forschungsprojekts innovative Konzepte zu entwickeln, um in Zukunft Hörgeräte als Apps zu entwickeln. Dies würde, laut Charité-Entwickler, deutlich die Hemmschwelle herabsetzen, in der Öffentlichkeit ein Hörgerät zu benutzen. Denn leider haben heutzutage noch immer viele Menschen Skrupel, sich das Leben durch Hörgeräte leichter machen zu lassen, da deren Reputation in der Gesellschaft nicht allzu „sexy“ ist. Apps könnten dabei helfen, das Image von Hörhilfen etwas aufzupolieren und Hörgeräte auch bei Jüngeren salonfähig zu machen.

Den Mimi Hearing Test ist kostenlos für iOs und Android erhältlich.

Marc Hauschild arbeitet als freier Journalist und für eine Digital Marketing Agentur in London. Einige seiner Themenschwerpunkte liegen in den Bereichen Wirtschaft, Politik, Gesellschaft, Gesundheit sowie digitaler Zeitgeist.

Quellen:
Norah-Studie (laermstudie.de)
Ich hör wohl nicht richtig! (Zeit, 18.09.2015)
Gesünder mit Apps und Co.? (PDF, Landesvereinigung Selbsthilfe Berlin e.V., 11.11.2015)
Charité – Universitätsmedizin Berlin

Bild: Fotolia

Ein Kommentar: “Neue App: Optimierter und gesünder Musik hören

  1. Vielen Dank für diesen Artikel. Viele ältere Menschen scheuen sich Hörgeräte zu verwenden. Da bin ich einmal gespannt, was diese neuen Apps an Entwicklungen in diesem Bereich bringen.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *