Dolmetscher für Medizin-Kauderwelsch

Das Fachlatein einer Diagnose, wird dank den freiwilligen Medizinstudenten übersetzt.

Wer kennt dies nicht: Zuerst lange im Wartezimmer sitzen, dann wirft der Arzt einen Blick aufs Wehwehchen und schickt Sie weiter zum Spezialisten. Der Spezialist – der hat sowieso nie Zeit – macht eine Reihe Untersuchungen, schaut auf die Röntgenbilder, und dann geht es Ruckzuck: «Sie haben ein Genu valgum, was den äusseren Gelenkspalt vermehrt belastet. Wir müssen schauen, dass dies nicht zu einer aussenseitigen Valgus Gonoarthrose führt. Ich stelle Ihnen ein Trainingsprogramm zusammen.» Ein kräftiger Händedruck und in ein paar Minuten steht man schon wieder am Tresen bei der Arztgehilfin.

Zu Hause dann zuerst einmal das grosse Fragezeichen: Was hab ich jetzt genau? Echt dumm, dass ich nicht nachgefragt habe, aber es ging alles so schnell. Gerne hätte man etwas mehr erfahren. Für solche Situationen gibt es jetzt eine clevere Lösung: Auf der Internetplattform washabich.de übersetzen Medizinstudentinnen und –studenten sowie Ärzte das Medizin-Kauderwelsch. Man lädt den Befund anonym hoch und erhält eine Antwort. Die Studenten arbeiten ehrenamtlich. Für sie ist dies eine gute Möglichkeit, ihr Fachwissen patientengerecht zu erklären.

Hinter vielen komplizierten medizinischen Wörtern steht meist eine einfache Diagnose. Ärzte bräuchten die lateinischen Fachbegriffe, um miteinander zu kommunizieren, behaupten sie. Vielleicht möchten sie sich auch ein wenig aufblasen und uns Patienten einschüchtern. Damit wir nicht kritisch nachfragen und zum Störfaktor werden. Schliesslich müssen wir das Sprechzimmer in fünf Minuten wieder verlassen haben. Ein Genu valgum ist übrigens ein ganz simples X-Bein. Das hätte der Arzt doch gleich sagen können, oder?

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