#HospitalGlam – Ein sinnvoller Hashtag

Vor drei Jahren veröffentlichte Karolyn Gehrig das erste Bild unter dem Hashtag #HospitalGlam. 6000 Fotos später ist eine Instagram-Community entstanden, die chronisch Erkrankten eine Plattform gibt, ihnen Mut macht und aufzeigt, dass sie mit ihrem Schicksal nicht alleine sind.

Unsichtbare Krankheit sichtbar machen

Karolyn Gehrig ist am Ehler-Danlos-Syndrom erkrankt, einer chronischen Bindegewebestörung, die in ihrem Fall lebensbedrohlich ist. Ihr Leben ist geprägt von Spitalbesuchen und ärztlichen Kontrollen. Mit dem Hashtag #HospitalGlam versucht sie, ihre für Aussenstehende unsichtbare und trotzdem alltagsbestimmende Krankheit sichtbar zu machen.

Ihre Bilder sind ebenso beeindruckend wie verstörend: Sie posiert wie ein Model, doch das Setting ist keines, das wir aus einem Modemagazin kennen, sondern Untersuchungszimmer, medizinische Geräte oder die Patientenaufnahme. Gehrig beschreibt #HospitalGlam als eine soziale Bewegung mit dem Ziel, chronisch erkrankten oder körperlich behinderten Menschen, deren Leiden nicht auf den ersten Blick sichtbar ist, eine Stimme zu geben. „Menschen, die unter diesem Hashtag Bilder veröffentlichen, sollen spüren, dass sie nicht alleine sind“, erklärt sie gegenüber Refinery29. „Gerade nicht sichtbare Krankheiten sind schwierig zu diagnostizieren und zu behandeln. Sie werden nicht wirklich ernstgenommen – respektive erst, wenn man jenen Punkt erreicht, in welchem sie sichtbar werden.“ Ist man in einer Familie oder seinem näheren Umfeld die einzige Person mit einer chronischen Erkrankung oder körperlichen Behinderung, fühle man sich dadurch oft allein.

Ein Zeichen von Stärke

#HospitalGlam gebe den Beteiligten das Gefühl von Zugehörigkeit und Halt wie auch den Mut, sich wegen einer vermeintlichen Unzulänglichkeit nicht zu verstecken. „Am häufigsten höre ich, wie schwer es sei, sich so zu zeigen. Und ich denke dann immer: Ja, ich weiss!“, sagt Gehrig. Umso erfreulicher findet sie es, wenn andere Menschen sich an ihrem Projekt beteiligen. „Ich möchte, dass sie sich mit anderen verbunden fühlen und gerade dadurch, dass sie diesen Schritt wagen, Stärke empfinden.“

Bei #HospitalGlam geht es folglich nicht darum, seine Leiden in den Vordergrund zu stellen. Vielmehr ist es auch eine «Body Positivity»-Kampagne, die den Perfektionsdrang unserer gephotoshoppten Gesellschaft anprangert und beweist, dass jeder auf seine Art schön sein kann. Bilder von Infusionen oder einer effektiven Behandlung sind tabu, Selfies und Modelposen im Spitalumfeld dahingegen erwünscht. „An schlechten Tagen schaue ich mir die Bilder unter dem Hashtag an und lese die Kommentare dazu. Die Community begeistert mich und ich bin glücklich, dass Menschen dadurch zusammenrücken. Menschen mit einer Behinderung können alles tun. Und das tun wir“, sagt Gehrig.

Quellen:

„Why These Patients Are Taking Selfies From Their Hospital Beds“ (Refinery29, 22.12.2016)
„#Hospitalglam shows body-positive campaigns work for chronic sickness too“ (The Guardian, 19.01.2015)
Bild: Fotolia

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