Handy, Strahlung und Co. – Wie gross ist die Gefahr wirklich?

Handy in der Nacht an oder aus? Diese Frage wird immer wieder hitzig diskutiert. Denn während die einen nicht auf ihre ständige Erreichbarkeit verzichten wollen, fürchten sich andere vor der Handystrahlung. Welches Gefahrenpotenzial Handys wirklich bergen und warum «Handystrahlung» das falsche Wort ist, hat Julia Felicitas Allmann von Bento mit Hilfe von Forschern der RWTH Achen und TH Deggendorf in Erfahrung gebracht.

Keine Strahlen, sondern Wellen

Spricht man von den Gefahren der Handynutzung, dann ist der Begriff «Handystrahlung» nie weit. Diese Bezeichnung ist jedoch falsch, wie Matthias Wuschek von der TH Deggendorf gegenüber Bento erklärt: «Es handelt sich bei Funksignalen um sogenannte elektromagnetische Wellen. Der Begriff ‹Strahlen› sollte hier besser nicht verwendet werden, denn da denkt der Laie sofort an radioaktive Strahlung oder an Röntgenstrahlung.» Bei einer solchen Strahlung wisse man genau, dass sie massive Gesundheitsrisiken bergen und Krebs auslösen können. Bei den elektromagnetischen Wellen eines Smartphones, einer nicht-ionisierenden Strahlung, verhält es sich anders. Wie viel davon bei uns als Nutzerin oder Nutzer ankommt, hängt zudem von einem Hauptfaktor ab: Wie nah wir das Handy an unseren Kopf halten.

Handynutzung ist Kopfsache

Alle Handys im Kommunikationsmodus senden elektromagnetische Wellen aus und haben einen Maximalwert der für die im Kopf eines Benutzers absorbierten Hochfrequenzleistung. Jeder Hersteller muss diesen angeben. Dieser sogenannte «SAR»-Wert (spezifische Absorptionsrate) ist aber nur «die halbe Geschichte», wie Wuschek einräumt: Wer stundenlang mit dem Handy am Ohr telefoniert, ist der Wellenenergie stärker ausgesetzt als jemand, der es nur ab und zu aus der Tasche holt, und zwar unabhängig davon, wie hoch der «SAR»-Wert  ist. Aber wie gefährlich sind diese Wellen überhaupt?

Eine Entwarnung mit Einschränkung

«Wissenschaftlich ist erwiesen, dass hochfrequente Felder ab einer bestimmten Stärke das menschliche Gewebe erwärmen und so schädigen können», erklärt Sarah Driessen vom Forschungszentrum für Elektro-Magnetische Umweltverträglichkeit der RWTH Aachen. Diese Gefahr wird durch die Einführung des «SAR»-Wertes umgangen. Demzufolge geht man nach aktuellem wissenschaftlichen Wissensstand davon aus, dass keine negativen Auswirkungen von der Handynutzung zu erwarten sind, da eine gesundheitsschädliche Erwärmung «ausreichend vermieden» werde.

Die Langzeitfolgen der Handynutzung sind allerdings noch weitgehend unklar, denn anders als heute hielten wir uns früher noch nicht schon im Kindesalter ein Handy ans Ohr. Demzufolge fehlen der Forschung zurzeit noch die Daten für  entsprechende Studien. Dass man bislang keine negativen Wirkungen feststellen konnte, werten Forscher wie Driessen allerdings als gutes Zeichen. Und dennoch: «Einige Studien werfen die Frage auf, ob es neben den thermischen Wirkungen noch weitere Wirkungen gibt, die dann wiederum zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen könnten, wie zum Beispiel Krebs-Entwicklung, Elektrosensibilität oder Wirkung auf den Schlaf und kognitive Prozesse.»

5 Tipps zur Reduktion der Belastung

  1. Ein Handy mit niedrigen «SAR»-Werten benutzen. Eine Übersicht gibt es beim BfS oder auf handystrahlung.ch
  2. Den Abstand zum Kopf vergrössern: Benutzen Sie beim Telefonieren oder dem Versenden von Sprachnachrichten ein Headset. Gut zu wissen: Das Auge reagiert ebenfalls empfindlich auf Wellen. Setzen Sie sie wenn möglich geringeren Immissionen aus.
  3. Old but gold: Nutzen Sie zum Telefonieren ein Festnetztelefon oder schreiben Sie eine Textnachricht.
  4. Je schlechter die Verbindung, desto stärker die Wellen: Telefonieren sie möglichst nur bei gutem Netz oder – noch besser – via WLAN-Calls. Bei einer WLAN-Verbindung sind die Wellen schwächer als über eine Datenverbindung, da sie hier nur bis zum nächsten Router gelangen müssen. Dasselbe gilt übrigens bei App-Aktualisierungen.
  5. Handy aus: Wer nicht zwingend erreichbar sein muss, kann auch einfach mal den Flugmodus aktivieren – zum Beispiel über Nacht.

Quellen:
Ist es wirklich ungesund, neben dem Handy zu schlafen? (Bento, 10.03.2018)
Vorsorge und Empfehlungen des BfS zum Telefonieren mit dem Handy (BfS)
handystrahlung.ch
Bild: Fotolia

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