Neue Studie – Entwicklungsstörungen durch Mediennutzung?

Ende Mai wurden die Ergebnisse einer grossangelegten deutschen Studie veröffentlicht, die den Zusammenhang zwischen Mediennutzung und Entwicklungsstörungen bei Kindern und Jugendlichen untersuchte. Medien werden dabei nicht per se schlecht gemacht, wie dies in anderen Studien oft der Fall ist. Allerdings dürfen Kinder in der Entwicklung ihrer Medienkompetenz auf keinen Fall allein gelassen werden. Andernfalls drohen Einschlafstörungen, Bindungsprobleme, motorische Hyperaktivität oder gar Sprachentwicklungsstörungen.

Studie basierend auf Befragung und ärztlichen Früherkennungsuntersuchungen

Die BLIKK-Studie der deutschen Stiftung Kind und Jugend wurde Ende Mai veröffentlicht und kombiniert eine Befragung mit medizinischen Untersuchungen. „Damit die Digitalisierung zum Erfolg wird, dürfen wir nicht blind sein für die gesundheitlichen Folgen der Internetnutzung“, wird Marlene Mortler, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, vom Deutschen Ärzteblatt zitiert. Die Untersuchung zeige, welche gesundheitlichen Folgen es nach sich ziehen kann, wenn Kinder in der Entwicklung ihrer eigenen Medienkompetenz auf sich allein gestellt sind oder von ihren Eltern im Kleinkindalter übermässig mit Smartphones ruhig gestellt werden. Für die Studie wurden insgesamt 5’573 Eltern und deren Kinder befragt. Zusätzlich führten Kinderärzte Früherkennungsuntersuchungen zur körperlichen, entwicklungsneurologischen und psychosozialen Verfassung der Kinder durch.

Entwicklungsstörungen wegen mangelhafter Medienkompetenz

Eine übermässige Mediennutzung der Kinder, aber auch der Eltern kann je nach Kindesalter andere Folgen nach sich ziehen. Bei Säuglingen zwischen einem Monat und einem Jahr ergab sich beispielsweise ein signifikanter Zusammenhang zwischen Einschlaf- und Fütterungsstörungen und der Nutzung von digitalen Medien durch die Mutter während der Betreuungszeit. Zudem gab es Hinweise auf Bindungsstörungen.

Sprachentwicklungsstörungen, motorische Hyperaktivität, Unruhe und Ablenkbarkeit zeigten sich vermehrt bei zwei- bis fünfjährigen Kindern, die täglich mehr als dreissig Minuten mit dem Smartphone ihrer Eltern spielen durften. 70 Prozent der Befragten gaben eine entsprechende Mediennutzungsdauer zu Protokoll.

Bei den Acht- bis Dreizehnjährigen ergaben sich Sprachentwicklungsstörungen und motorische Hyperaktivität bei einer täglichen Mediennutzung ab sechzig Minuten. Der hohe Medienkonsum korrelierte dabei auch mit einem erhöhten Body-Mass-Index. Viele Jugendliche gaben an, dass es ihnen schwerfalle, ihre Mediennutzung selbstbestimmt zu kontrollieren, und dass sie darin negative Auswirkungen auf ihren Alltag sähen.

Medienkompetenz will gelernt sein

Die Medienkompetenz ist zu einem unabdingbaren Pfeiler der Erziehung im digitalen Zeitalter geworden. Dass eine hohe Nutzung schädlich sein kann, ist bekannt; die BLIKK-Studie verdeutlicht dies aber auf eindrückliche und medizinisch fundierte Weise. Statt Entwicklungsstörungen umgehend mit Ergo- und Sprachtherapien zu bekämpfen, sollte daher immer auch der unangemessene Umgang der Eltern mit digitalen Medien in Betracht gezogen werden. Gut möglich, dass hierin das eigentliche Problem liegt.

Quellen:
„Mediennutzung und Entwicklungsstörungen hängen zusammen“ (Ärzteblatt, 28.05.2017)
BLIKK-Studie – Deutsche Stiftung Kind und Jugend

Bild: Fotolia

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