Gastbeitrag: Will Google tatsächlich den Gesundheitsmarkt erobern?

Gastbeitrag

Bekannte Technologiekonzerne wagen sich immer öfter auf das Gebiet des Gesundheitswesens. Google ist da wie so oft einen Schritt voraus: Der Suchmaschinengigant will nicht länger nur durch die Entwicklung von technischen Gadgets definiert werden, sondern im Gesundheitsmarkt als führender Entwickler Fuss fassen.

Das Unternehmen hat kürzlich ein Gemeinschaftsprojekt mit Sanofi, welches zu den grössten Pharmaunternehmen der Welt gehört, angekündigt. Google würde allerdings keine neuen Medikamente entwickeln, wie Pascale Witz von der Diabetes und Kardiovaskulären-Abteilung erklärt. Der Konzern könnte Sanofi aber dabei helfen, Patientenerfahrungen und die Resultate zu verbessern und ausserdem die Gesundheitsversorgungskosten effektiver zu verwalten.

Google bereits aktiv

Bereits jetzt ist Google stark in die Medizinbranche involviert. „Calico“ war das erste Projekt in diese Richtung: ein Forschungszentrum, wo die Grenzen der Langlebigkeit studiert werden. Medizinisches Zubehör gehört auch zum neuen Spezialgebiet des Grossunternehmens, wie zum Beispiel die Entwicklung eines Armbands, welches Krebszellen erkennen soll, oder Kontaktlinsen, die den Glucosestand messen. Diabetes ist ein Bereich, der Google besonders stark zu interessieren scheint.

Der Kampf gegen Diabetes

In den USA ist Diabetes für 10% der Gesundheitsausgaben verantwortlich. Einen grossen Vorteil im Wettbewerb erhalten die Firmen, die diese Krankheit zu bekämpfen versuchen. Im Hinblick darauf gab es nicht nur Bewunderung für Google. Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht von über 420 Millionen an Diabetes erkrankten Menschen auf der ganzen Welt aus und die Tendenz ist steigend. Laut der Diabetes Federation könnte sich die Zahl bis zum Jahr 2035 auf 600 Millionen erhöhen. Die Firma Evaluate Pharma schätzt die Verkäufe der Antidiabetesmedikamente bis zum Jahr 2020 auf 60 Millionen Dollar.

Daten sammeln

Auch wenn Google medizinisches Zubehör voranbringt, will der Konzern weiterhin das machen, was er am besten kann: Daten sammeln. Er will enorme Algorithmen erstellen, um Gesundheitsfachleuten dabei zu helfen, ihre Diagnosen zu vereinfachen. Der Suchmaschinenriese arbeitet seit einiger Zeit an einem Projekt namens Baseline mit dem Ziel, molekulare und genetische Informationen von tausenden Menschen zu sammeln und herauszufinden, was genau einen Menschen eigentlich gesund macht.

Beitrag zur Bekämpfung der Zika Pandemie

Während der Zika Pandemie hat Google demonstriert, wie nützlich ihr Beitrag im Gesundheitswesen sein könnte. Ein Team von Ingenieuren und Wissenschaftlern von Google hat sich mit UNICEF zusammengetan, um die Daten des Virus aus den verschiedenen Quellen zu sammeln und Gebiete mit potenziellem Ausbruchrisiko zu erkennen. Der Suchmaschinenriese hat dann eine kollaborative Plattform lanciert, um das Risiko von Zika-Ansteckungen in verschiedenen Regionen zu identifizieren, als Hilfe für Regierungen und NGOs, um zu entscheiden, wo der Schwerpunkt der Bemühungen liegen soll.

Projekte im Grossraum London

Im Grossraum London arbeitet Google mit dem Projekt DeepMind bereits mit Krankenhäusern und dem Nationalen Gesundheitsdienst NHS zusammen. Eine Plattform namens „Patient Rescue“ soll Diagnosen erleichtern und Echtzeitanalysen zu klinischen Daten liefern. Der Einblick in Patientendaten soll laut den Kritikern aber der wahre Grund für das Engagement von Google in diesem Bereich sein. Gemäss dem Magazin New Scientist erhält DeepMind für ihre App alle Daten inklusive die der letzten fünf Jahre sowie die der Sammelstelle aller Krankenhausbehandlungen in Grossbritannien. Es wird aber versichert, dass die Daten nach der Zusammenarbeit gelöscht würden.

Unendliche Möglichkeiten

Wenn man sich die Zahlen anschaut und die enormen Möglichkeiten, die im Gesundheitssektor entstehen, ist es kein Wunder, dass Unternehmen wie Google in diesen Bereich einsteigen wollen. Da die Prävention und Behandlung sehr teure Angelegenheiten sind, soll das zukünftige Ziel die Früherkennung einer Krankheit sein.

Chantal Merz studierte Multimedia Journalismus in Zürich und arbeitet als freischaffende Journalistin. Sie interessiert sich für Googles erste Schritte im Gesundheitsmarkt, weil sie einen kritischen Blick auf die zunehmende Datensammelwut im Onlinebereich werfen möchte.

Quellen:

„Google und Sanofi schliessen sich zusammen“ (anyoption, 16.09.2016)
„Tracking the Zika Virus Online: How Google Mapped the Start of an Outbreak“ (abc News, 21.06.2016)
„Baseline Study: Google X möchte ‚perfekte Gesundheit‘ neu definieren“ (GoogleWatchBlog, 03.06.2015)
„Google given access to healthcare data of up to 1.6 million patients“ (The Guardian, 04.05.2016)
„Why Google Is Going All In On Diabetes“ (npr, 06.09.2015)
„Der elektronische englische Patient“ (Zeit, 09.04.2014)
Bild: Fotolia

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