Google Depressions-Test – Helfer oder nicht?

Google will in den USA einen Online-Screening-Test für Depressionen lancieren. Datenschützer und Gesundheitsexperten horchen auf.

«Bin ich depressiv?» – Wer diesen Satz bei Google eingibt, soll künftig einen Link zum PHQ-9-Fragebogen erhalten, mit welchem Betroffene erkannt und zum Arztbesuch ermuntert werden sollen. Obwohl Google Anonymität und Datenschutz gewährleistet, stösst das Vorhaben auf viel Gegenwind. Bereits heute werden im Internet eine Vielzahl von Selbsttests angeboten, die anonym durchgeführt werden können und bei denen die Anbieter absolute Vertraulichkeit garantieren. Dass Google erst jetzt einen solchen Test anbieten will, lässt gemäss Süddeutsche Zeitung der Verdacht aufkommen, dass auch hier – entgegen anderer Versprechen – Informationen gesammelt werden.

Hochsensibler Test – zu sensibel?

Die Zweifel gehen allerdings über Google, die «Datenkrake», hinaus. Gemäss der Süddeutschen Zeitung ist der Diagnosenutzen von Screening-Programmen wie dem PHQ-9-Fragebogen nicht nachgewiesen. Solche Tests seien häufig übersensibel: «Wer im PHQ-9 ankreuzt, er habe in den letzten zwei Wochen manchmal keine Freude an seinen Tätigkeiten gehabt und leide regelmässig an Schlaflosigkeit und Energielosigkeit, dem bescheinigt der Test bereits eine milde Depression. Jeder, der mal ein paar Wochen schlecht drauf ist, springt leichtfüssig über diese Schwelle.»

Der Test kommt in der klinischen Praxis rege zur Anwendung, allerdings steht hier ein Therapeut bereit, um die Lage adäquat zu beurteilen. Im Fall von Google hingegen besteht die Gefahr, dass Betroffene sich selbstbehandeln wollen, obwohl es unter Umständen gar keinen Anlass dazu gibt. Auch wird befürchtet, dass eigentlich gesunde Menschen das ohnehin schon am Anschlag seiende Gesundheitswesen weiter belasten.

Wann ist der Fragebogen sinnvoll?

Den genannten Befürchtungen ist grundsätzlich zuzustimmen, allerdings sollte man Googles Bestrebungen nicht vorweg verteufeln. Es stimmt, dass Tests – gerade hochsensible – zuweilen mehr Schaden anrichten, als dass sie nutzen. Das Problem liegt jedoch nicht beim Test selber, sondern bei der mangelnden vorherigen Aufklärung und der nachfolgenden Behandlung. Der Testperson muss deutlich gemacht werden, wie der sensible Test funktioniert und wo man im Falle von Unsicherheiten oder einer schlechten Auswertung Hilfe findet. Gut möglich, dass einigen Menschen auf diesem Weg dann wirklich geholfen werden kann.

Quelle:
Der Test der Datenkrake (Süddeutsche Zeitung, 17.09.2017)
Bild: Fotolia

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