Meine Gene gehören mir!

Genom-Analysen aus Speichelproben

Alles begann mit Erbsen. Gregor Mendel, ein Mönch, entdeckte um 1860 die Vererbungsregeln, indem er Erbsenpflanzen kreuzte und begründete damit die moderne Genetik. Mendels Erkenntnisse veränderten die Art und Weise, wie wir uns als Lebewesen sehen, und eröffneten neue Möglichkeiten mit Problemen wie Krankheiten umzugehen.

Heute tönt es ganz anders, unser Gen ist schon fast etwas «Böses» geworden. Diesen Eindruck jedenfalls bekommt man, wenn man die Medienberichterstattung in den letzten Monaten verfolgt. Gentests sollen uns angeblich bedrohen und uns psychisch krank machen. Wir können mit Gentests nicht umgehen, sagen Gesundheitspolitiker und sogar Patientenorganisationen. Gene und Genanalysen sind unsere neue Büchse der Pandora geworden.

Manche Ärzte blasen ins gleiche Horn: Sie warnen von unseriösen Test-Angeboten, vor denen man die Konsumenten schützen muss, finden diverse Gründe, weshalb das Thema Gen in ihre Obhut gehört. In langen Positionspapieren werden wir bevormundet, weil Normalsterbliche sowieso nichts davon verstehen. Dass wir uns eine eigene Meinung bilden können, trauen uns die Ärzte wohl nicht zu. Aber vielleicht wollen sie dies ja auch nicht, genauso wie die Priester im Mittelalter nicht wollten, dass ihre „Schäfchen“ lesen können ;-)

Gentests können aber eine Riesenchance darstellen. Informationen über unser Erbgut in möglichst offenen und frei zugänglichen, anonymisierten Datenbanken helfen uns, die Diagnostik von Krankheiten zu verbessern und neue Therapien zu entwickeln. Wir werden so mehr über uns und unseren Körper erfahren. Natürlich, mit den Resultaten von Gentests müssen wir umgehen lernen, wir müssen wissen, was sie bedeuten uns wo sie an Grenzen stossen. Wir müssen lernen zu entscheiden, was wir selbst wissen wollen und was nicht, denn eine Diagnose ohne verfügbare Behandlung kann sehr belastend sein. Um diese Entscheidungen treffen zu können, braucht es jedoch Information und Aufklärung, nicht Drohfinger und Verbote. Eine Diskussion ist erwünscht, sofern wir Konsumenten auch mit eingeschlossen werden und man uns zutraut auch komplexere Sachverhalte zu verstehen oder verstehen zu lernen, damit wir selbst entscheiden können, welche Tests wir uns wünschen. Schliesslich sind wir mündige, erwachsene Menschen.

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