Gastbeitrag: «Der Arzt der Zukunft ist ein Kommunikationsprofi» (2/4)

Gastbeitrag

Patienten informieren sich heute anders als noch vor 10 Jahren. Das Internet mit seinen Möglichkeiten hat ihnen völlig neue Türen geöffnet. Sie sind grundsätzlich besser informiert, kennen die für ihr Krankheitsbild relevanten medizinischen Begriffe und ihnen sind die gängigsten Operationsmethoden oder mögliche Risiken eines Eingriffs bekannt. Viele Patienten sind selbstsicherer und mündiger geworden und sie möchten auf Augenhöhe mit ihrem Arzt diskutieren. Diese neue Haltung der Patienten und dieses mitunter «gefährliche Halbwissen» ist für Ärzte Fluch und Segen zugleich.

Das Informationsverhalten von Patienten hat sich in den letzten Jahren frappant verändert. Früher nahm die Arztsuche und -wahl meist kaum Zeit in Anspruch: Es wurde einfach das dicke, gedruckte Telefonbuch konsultiert und die nächstgelegene Arztpraxis im Wohnort gesucht. Oder man vertraute blind dem Hausarzt, bei dem sowieso schon die ganze Familie seit Menschengedenken untergebracht war. Nur in Ausnahmefällen fragte man bei Bekannten oder Verwandten nach und holte sich so die vermeintliche Bestätigung, dass ein Arzt wirklich «gut» sei.

Tschüss Telefonbuch, Hallo Internet!

Für Ärzte war es früher also relativ einfach, präsent und für die Leute auffindbar zu sein: Ein Eintrag im lokalen Telefonbuch reichte völlig aus. Diese Zeiten sind langsam, aber sicher passé: Das Internet und damit einhergehende technologische Errungenschaften wie die Telemedizin, Videochats, eHealth- und Bewertungsplattformen eröffnen heutigen Patienten neue Möglichkeiten, um sich über Medizinthemen zu informieren oder direkt mit Ärzten zu kommunizieren. Vor allem Social-Media-Plattformen und die dadurch notwendig gewordene transparente Kommunikation haben den bislang eher einseitigen Dialog zwischen Ärzten und Patienten grundlegend verändert.

Die Patienten werden mündig

Der moderne Patient ist gut informiert und äusserst selbständig, auch was das Treffen von medizinischen Entscheidungen über die eigene Gesundheit anbelangt. In vielen Fachgebieten werden heute Operationsmethoden, Therapieformen wie auch Kliniken oder Spezialisten gemeinsam vom Patienten und dem Arzt gewählt. Ärzte sind nicht mehr per se unwidersprochen und ihre Meinung wird nicht mehr immer nur stillschweigend akzeptiert. Nicht selten hat heute der Patient das letzte Wort, wenn es um seine Gesundheit geht.

Personal Branding: Ohne Fleiss, kein Preis

Die Bildung einer starken digitalen Personenmarke, eines sogenannten «Digital Personal Brand», spielt deshalb je länger, desto mehr eine zentrale Rolle bei der Positionierung und Differenzierung eines Arztes im Internet. Diese stellt Ärzte vor allem vor diverse kommunikative Herausforderungen, welche es zu verstehen und zu meistern gilt. Ein guter Personal Brand bedarf einer durchdachten Strategie und eines langfristigen Engagements im Internet beziehungsweise im Online-Dialog. Er entwickelt sich erst im Laufe der Zeit und setzt eine ehrliche, klare und unmissverständliche Kommunikation voraus. Die Erstellung von respektive die Suche nach interessanten Inhalten für die eigenen Kanäle (Website, Blog, Facebook & Twitter etc.) ist sehr zeitintensiv. Die Bewirtschaftung dieser Auftritte erfordert zudem ein ausgezeichnetes Gespür und viel Empathie für die eigene Zielgruppe.

Der moderne Arzt

Ärzte tun also gut daran, ihre eigene Vermarktung aktiv in die Hand zu nehmen. Ihr Auftreten sollte beruflich wie privat Seriosität und Souveränität ausstrahlen. Gerade für einen Arzt ist das Vertrauen in seine Person eine Grundvoraussetzung für eine langjährige und erfolgreiche Tätigkeit sowie eine gesunde Beziehung zu seinem Patientenstamm.

Der moderne Arzt ist also auch ein Kommunikationsprofi. Er weiss, worauf er bei der Arzt-Patienten-Kommunikation achten muss, und kennt das Social-Media-Regelwerk. Er stellt immer die Sache, seine medizinische Leistung oder Expertise, aber nie seine eigene Person zu stark in den Fokus. Er ist auch bei digitalen Themen ein zuverlässiger Leader und kennt sich aus mit Skype, Twitter und neuen (medizinischen) Technologien oder Plattformen, welche Patienten heutzutage nutzen. Ignoriert er diese Entwicklung und die Relevanz von Online-Auftritten, kann das fatal für ihn sein: Der nächste Spezialist ist heutzutage meist nur ein Mausklick entfernt.

 

Dies ist ein Gastbeitrag aus der 4-teiligen Serie «Digital Personal Branding für Ärzte». Weitere Beiträge dieser Serie:
«Du hast keine zweite Chance, einen ersten Eindruck zu machen – auch online nicht»
«Digital Personal Branding: Chancen & Gefahren für Mediziner»
«In 12 Schritten zur digitalen Personenmarke»

Stefan Lienhard arbeitet seit 10 Jahren im Gesundheitswesen. Er war 4 Jahre als Projektleiter Digital Marketing bei der Privatklinikgruppe Hirslanden tätig und weitere 4 Jahre als Social Media Manager. Seit 1,5 Jahren ist er bei der Sanitas Krankenversicherung als Channel Manager Social Media tätig. Im Rahmen seiner Ausbildung an der HWZ zum «Master of Digital Business» hat er eine CAS Arbeit mit dem Titel «Digital Personal Branding für Ärzte» geschrieben.

Quellen:

Patienten informieren sich verstärkt via Internet (Ärztekammer Nordrhein, 27.09.2010)
H+ Spital- und Klinik-Barometer 2015: Patientinnen und Patienten wollen souverän mitentscheiden (H+, 13.10.2015)
Gesundheitskommunikation im Internet: Ärzte unter Druck (MSL Germany, 14.11.2012)
Patienten informieren sich immer häufiger im Internet über ihre Krankheiten (NRZ, 14.02.2012)
Aktuelle Umfrage „Digitale PatientInnen“: Internet zweitwichtigste Quelle bei Gesundheitsfragen (APA-OTS, 27.02.2013)
Patienten informieren sich vermehrt über das Internet (Swisscom, 30.01.2012)
Bild: Fotolia

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