Falsches Atmen aus Eitelkeit: Setzen wir unsere Gesundheit aufs Spiel?

Kennen Sie die Redewendung, dass etwas „so natürlich ist wie atmen“? Gut möglich, dass wir den Spruch bald nicht mehr so verwenden dürfen. Forscher der Harvard Medical School fanden nämlich heraus, dass richtiges Atmen für viele von uns absolut unnatürlich ist.

Auf focus.de erschien kürzlich ein ganzer Artikel zum Thema „richtiges und falsches Atmen“. Man könnte meinen, dass so etwas nicht nötig ist, schliesslich atmen wir seit unseren ersten Minuten auf dieser Welt. Doch richtiges Luft holen will tatsächlich gelernt sein – denn mit der falschen Technik gefährden wir unsere Gesundheit stärker, als es den meisten von uns bewusst ist.

Falsches Atmen für die Schönheit

Hand aufs Herz: Hebt sich Ihre Brust oder ihr Bauch beim Atmen? Bei der Mehrheit von uns wird ersteres der Fall sein – und das ist falsch. Gründe fürs Atmen in der Brust sind vielfältig und reichen von Stress und schlechter Stressverarbeitung bis hin zu unserer Eitelkeit: „Vor allem unser Schlankheitsideal mit flachem Bauch verhindert, dass wir normal und tief in den Bauch atmen“, schreibt focus.de-Autorin Monika Preuk. „Ständig spannen viele ihre Bauchmuskeln an, um auf keinen Fall die schlanke Taille zu verändern oder einen Bauchansatz wenigstens einzuziehen.“ Auch enge Kleidung oder ständiges angespanntes Sitzen können eine Brustatmung begünstigen.

Brustatmung als Gesundheitsrisiko

Ein Mensch atmet jeden Tag bis zu 20’000 Mal ein und aus, wobei wir mit jedem Atemzug mindestens einen halben Liter aufnehmen, bei tiefer Bauchatmung sind es sogar bis zu vier Liter. Sauerstoff ist für unsere Organe lebensnotwendig. Atmen wir falsch ein und aus, gelangt zu wenig Sauerstoff in unseren Körper und gleichzeitig vergiften wir diesen schleichend mit schädlichem Kohlendioxid, das nicht richtig abtransportiert wird. Eine flache und schnelle Atmung assoziiert unser Körper ausserdem mit Angst – und genau so reagiert er dann auch: „Wer falsch atmet, setzt seinen Körper ständig unter Stress, gefährdet Blutdruck und Herz“, schreibt Preuk. Weitere Folgen sind Immunschwäche und Konzentrationsmangel.

So geht richtiges Atmen

Richtiges Atmen lässt sich ganz einfach wieder erlernen, am idealsten mit einem kurzen Atemritual, das man ein- bis zweimal täglich bis zu fünfzehn Minuten lang durchführt und mit einer kleinen Meditation verbunden werden kann. Hierfür setzt oder legt man sich ruhig hin, atmet tief durch die Nase ein und spürt nach, wie der Atem in die Lungen fliesst und den Bauchbereich ausdehnt. Das Ausatmen erfolgt wahlweise durch den Mund oder die Nase. Mit der Hand auf dem Bauch wird überprüft, ob sich die Bauchdecke beim Einatmen leicht wölbt und beim Ausatmen senkt, was ein Zeichen für richtiges Bauchatmen ist. Wir wünschen gutes Durchatmen!

Quellen:

„Warum wir alle falsch atmen – und wie es richtig geht“ (focus.de, 28.09.2016)
„Relaxation techniques: Breath control helps quell errant stress response“ (Harvard Health Publications)
Bild: Fotolia

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *