Ein neues Organ – frisch aus dem 3D Drucker

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Keiner mag es sich vorstellen, aber es kann uns alle treffen: Ein Unfall oder eine Krankheit schädigt Herz, Niere oder ein anderes Organ. Ein Spenderorgan muss her – dringend und lebensnotwendig. Aber es gibt viel zu wenige davon. Seit einigen Jahren erproben Stammzellenforscher deshalb innovative Techniken wie 3D-Druck und Bioreaktoren. Am Karolinska Institutet in Stockholm bauen Paolo Macchiarini und sein Team für Patienten ihre eigenen Luft- oder Speiseröhren nach und transplantieren diese in spektakulären Operationen.

Dazu wird zuerst ein exaktes Modell der alten Röhre erstellt. Aus bioaktiven Nanofasern, dünner als ein menschliches Haar, wird diese dann mit einem 3D-Drucker nachgebildet und anschliessend mehrere Tage lang in einem Bioreaktor mit Stammzellen umspült, die der Patientin oder dem Patienten aus dem Rückenmark entnommen wurden. Die Zellen besiedeln nach und nach das gesamte Gerüst und durchdringen dabei auch die Fasern selbst. So wird aus einem starren Kunststoffmodell eine voll funktionsfähige muskuläre Röhre. Und da diese Röhre auch genetisch eine exakte Kopie ihrer Vorgängerin ist, brauchen die Patienten im Gegensatz zu Empfängern von Spenderorganen keine Medikamente einzunehmen. Eine Abstossung ist ausgeschlossen.

Bisher wurde mit diesem Verfahren erst vereinzelten Patienten ein eigenes Organ eingesetzt. Dass die Transplantierten diese noch unerprobte Methode überleben und ohne Medikamente über Monate und Jahre gesund bleiben, macht Patienten auf der Warteliste trotzdem Hoffnung.  Auf der von Swisstransplant geführten Warteliste standen Ende letzten Jahres 1’274 Patienten, so viel wie nie zuvor. Und sie warten lange: Im 2013 konnten ihnen gerade einmal 110 Organspender nach ihrem Tod und 114 Lebendspender helfen. Mehr Schweizer, die ihren Willen mit einer Organspendekarte klar äussern, könnten vielen Menschen das Leben retten.

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