Gastbeitrag: «Du hast keine zweite Chance, einen ersten Eindruck zu machen – auch online nicht» (1/4)

Gastbeitrag

Bewertungsportale für Spitäler und Ärzte spriessen wie Pilze aus dem Boden. Medizinische Themen werden häufig gegoogelt und immer öfter wird auch nach Fachpersonen, vor allem nach Ärzten, gesucht. Was man dann findet, sind meist ältere Websites, welche auf dem Smartphone ziemlich übel aussehen, Profilbilder aus den 90er Jahren und nur ganz spärliche Informationen zur Person, zum Werdegang oder über angewandte Behandlungs- und Operationsmethoden. Ein Ansatz, um in der Öffentlichkeit auch online einen guten Eindruck zu hinterlassen und sich gleichzeitig von der Konkurrenz abzuheben, ist «Personal Branding».

Personal Branding bedeutet die «Markenbildung beim Menschen», also die Selbstvermarktung und der Aufbau einer Eigenmarke. Es geht um den erfolgreichen Imageaufbau, eine starke Positionierung und eine positive Darstellung in der Öffentlichkeit. Bis heute gibt es allerdings keine allgemein gültige Definition von Personal Branding. Der amerikanische Autor, StartUp- und «Fortune 500»-Berater Dan Schawbel formuliert den Begriff kurz und knapp: «How we market ourselves to others».

Wer bin ich, für was stehe ich?

Personal Branding setzt voraus, sich selbst zu reflektieren und überprüfen, seine (fachlichen) Fähigkeiten sowie Kompetenzen ehrlich und realistisch einzuschätzen und die eigenen Werte und Ideen verständlich und klar nach aussen zu formulieren. Erfolgreich ist, wer seine Botschaft authentisch und überzeugend präsentiert.

Viele Faktoren des Personal Branding sind über die Jahre hinweg weitestgehend dieselben geblieben: wie man aussieht, welche Kleidung man trägt, die Art und Weise, wie man spricht – die Summe all dieser Faktoren, gepaart mit neuen Kriterien, welche mit der digitalen Entwicklung an Relevanz gewonnen haben, liefern letztlich das Bild einer Person, welches sich in den Köpfen der Leute einprägt.

Social Media als Treiber

Wir leben im Zeitalter der Inszenierung und der medialen Selbstdarstellung via Social Media. In der Öffentlichkeit ein kompetentes Image und hohes soziales Ansehen zu geniessen, ist für viele ein wesentlicher Bestandteil der öffentlichen Persönlichkeit und des beruflichen Erfolgs geworden. Ein guter «Digital Personal Brand» schützt genauso vor Ruf-Attacken oder sogenannten «Shitstorms», wie er dabei hilft, potenzielle Arbeitgeber, Partner oder Investoren auf sich aufmerksam zu machen. Für immer mehr Menschen ist eine entsprechende Positionierung in der Onlinewelt gar schon so selbstverständlich, wie für andere eine Visitenkarte mit sich herumzutragen.

Ein Beispiel: Wenn Leute in Suchmaschinen den Namen eines Arztes eintippen, erscheinen in den meisten Fällen rasch entsprechende Resultate. Ab diesem Zeitpunkt machen sich die Suchenden ihr erstes Bild vom Arzt. Ist er überhaupt auffindbar? Wenn ja, auf welcher Position rangiert er bei den Suchresultaten? Wohin führen die Links? Was sehe ich, wenn ich die Filterkriterien ändere und mir Bilder oder Videos zum gesuchten Namen anzeigen lasse? Wie viele Sternchen hat er auf Bewertungsportalen in Sachen Pünktlichkeit oder Freundlichkeit und wie viele haben seine Kollegen?

Der erste Eindruck zählt!

Das Sprichwort «Du hast keine zweite Chance, einen ersten Eindruck zu machen», trifft den Nagel ziemlich gut auf den Kopf, wenn es um digitales Personal Branding geht. Gerade online hat man heute nicht mehr viel Zeit, um zu definieren, wer man ist und wofür man steht.

Personal Branding im digitalen Zeitalter hat deshalb dazu geführt, dass immer mehr Leute die Wahrnehmung ihrer Person in der Öffentlichkeit gezielt und bewusst steuern – nicht aber kontrollieren können. Diese Kontrolle ging vor allem mit der Verbreitung von Social-Media-Plattformen verloren, obwohl es auch heute noch Schlupflöcher gibt.

Anders als im direkten Kontakt besteht im Internet das grössere Risiko, dass man falsch verstanden wird, Ironie oder das «Lesen zwischen den Zeilen» verstehen die komplizierten Algorithmen der meisten Online-Plattformen (noch) nicht. Die Frage, ob man damit leben kann, beispielsweise seinen Facebook-Kommentar am nächsten Tag in der Zeitung zu lesen, ist absolut legitim. Manch ein Politiker oder Schauspieler hat sich schon gewünscht, er hätte sich das zweimal überlegt.

Dies ist ein Gastbeitrag aus der 4-teiligen Serie «Digital Personal Branding für Ärzte». Im ersten Teil geht es um die Grundlagen und um die Beantwortung der Frage, wieso ein guter digitaler Personal Brand im heutigen Zeitalter immer wichtiger wird – auch für Ärzte und medizinisches Fachpersonal.

Weitere Beiträge dieser Serie:
«Der Arzt der Zukunft ist ein Kommunikationsprofi»
«Digital Personal Branding: Chancen & Gefahren für Mediziner»
«In 12 Schritten zur digitalen Personenmarke»

Stefan Lienhard arbeitet seit 10 Jahren im Gesundheitswesen. Er war 4 Jahre als Projektleiter Digital Marketing bei der Privatklinikgruppe Hirslanden tätig und weitere 4 Jahre als Social Media Manager. Seit 1,5 Jahren ist er bei der Sanitas Krankenversicherung als Channel Manager Social Media tätig. Im Rahmen seiner Ausbildung an der HWZ zum «Master of Digital Business» hat er eine CAS Arbeit mit dem Titel «Digital Personal Branding für Ärzte» geschrieben.

Quellen:

Internet wird immer bedeutender für Arztwahl (13.09.2013, Ärztezeitung)
Personal Branding: Karriere per Eigenmarke (karrierebibel.de)
«Immer mehr Ärzte sind Online-Bewertungen gegenüber aufgeschlossen» (Medinside, 10.10.2017)
Warum sich Ärzte nicht vor Online-Bewertungen fürchten müssen (Medinside, 19.11.2017)
Arztbewertung – Wie viele Sterne dürfen’s denn sein? (SRF, 20.04.2017)
Brand YOU: Wie Personal Branding im Web 2.0 funktioniert (svenruoss.ch, 04.10.2015)
Bild: Fotolia

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