Dr. Robot: Wer operiert uns in Zukunft?

Raphael Frangi Pepper

Immer mehr Spitäler rüsten ihre Operationssäle mit Robotern auf. Diese sollen die Arbeit des Chirurgen vereinfachen, das operative Spektrum erweitern und die Patientensicherheit erhöhen. Von Assistenzsystemen und Hochpräzisionsrobotern bis hin zu „augmented reality“ – was ist bereits möglich und was bringt die Zukunft? Antworten liefert ein spannender Artikel auf spiegel.de.

Fakt ist: Roboter sind in der Medizin bereits viel verbreiteter, als mancher von uns vermutet. Auch reichen sie weit über Transportsysteme im Spitalalltag hinaus. „Roboterassistierte Systeme spielen schon länger eine Rolle. Hochpräzisionsroboter nutzt man, um Röntgenstrahlen exakt auf das zu bestrahlende Gebiet zu richten“, erklärt beispielsweise Klaus-Peter Jünemann, Direktor des Universitätsklinikums Kiel, gegenüber spiegel.de. Auch spezielle Geräte, die etwa für die Sterilisierung von OP-Instrumenten eingesetzt werden, sind denkbar. Wohin die Zukunft geht, zeigten Forscher vom Fraunhofer Institut an der diesjährigen Medizinmesse Medica in Düsseldorf.

Minimal-invasive robotergesteuerte Systeme

Die Forscher vom Fraunhofer Institut stellten an der Medica einen Roboterarm vor, der bereits in wenigen Jahren aktiv bei Biopsien eingesetzt werden soll. Bei solchen Eingriffen ist meist sehr hohe Präzision gefragt. Die vorgestellte Maschine arbeitet hier nicht nur genau, sondern auch schnell und wird von einem Mediziner geführt. Weiterer Vorteil: Der Arzt kommt bei Kontrollbildern nicht mit Röntgenstrahlen in Kontakt.

Neben Biopsien sollen Roboter künftig auch bei Injektionen eingesetzt werden. Minimal-invasive robotergesteuerte Systeme sind ebenfalls keine Zukunftsmusik mehr: „Operationen in Hohlräumen, im Bauch- oder Brustraum werden sukzessive nicht mehr offen durchgeführt, sondern künftig nur noch minimal-invasiv mit robotergesteuerten Systemen“, erzählt Jünemann. Dank eines solchen Systems kann der Arzt via Fernsteuerung mit kleinsten Instrumenten von hoher Beweglichkeit im Körper des Patienten operieren. Dreidimensionale Bilder von einer Spezialkamera ermöglichen die genaue Arbeit. Dieses System findet gemäss spiegel.de bereits in mehr als achtzig Kliniken Anwendung. Der Gewinn für den Patienten sei hierbei gewaltig: Es werde kaum noch aufgeschnitten, was die Wundheilung beschleunigt. Des Weiteren sei der Blutverlust sehr gering und die Präzision der Arbeit enorm.

Die Vorteile von „Augmented Reality“

Eine weitere Anwendungsmöglichkeit ist die sogenannte „augmented reality“ (erweiterte Realität). Hier wird das Diagnosebild, zum Beispiel ein markierter Hirntumor, direkt in das OP-Bild projiziert. Dadurch kann der operierende Arzt die Lage des Tumors exakt einsehen und diesen entfernen, ohne gesundes Gehirngewebe in Mitleidenschaft zu ziehen.

Die Weichen in eine robotergeprägte medizinische Zukunft sind somit gestellt. „Unser grosses Ziel ist, die Handhabung mittels roboterassistierter Systeme für den Chirurgen zu vereinfachen und damit das operative Spektrum drastisch zu erweitern“, lässt sich Bernhard Kübler vom Robotik-Institut des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) zitieren. Gleichzeitig betont er: „Der Arzt ist und bleibt derjenige, der operiert, nicht der Roboter.“

Quelle: „Die Mensch-Maschine im OP“ (spiegel.de, 15.11.2016)
Bild: gesund-digital.com

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