Digitalisierung in Arztpraxen – Zahnärzte machen es vor und profitieren

„Zahnärzte können sich die Hände reiben“ – das verkündete die Neue Zürcher Zeitung in ihrer Ausgabe vom 09. August 2017. Dieser Titel kommt nicht von ungefähr: Bereits heute können Zahnärzte viele Arbeitsschritte, für die sie bisher auf externe Dentallabore angewiesen waren, direkt in ihrer Praxis vornehmen. Möglich macht dies die Digitalisierung. Für den Patienten hat das den Vorteil, dass Behandlungen in der Regel verkürzt werden. Mittel- bis langfristig sollen sich die Effizienzgewinne auch auf die Kosten auswirken.

Kronen direkt in der Praxis modellieren

Behandlungen im Bereich des Zahnersatzes sind für Patienten nicht nur unangenehm und langwierig, sondern auch teuer. Wer neue Kronen braucht, kann  in vielen Praxen bereits auf eine beschleunigte Behandlung hoffen: Viele Arbeitsschritte, die früher ausgelagert wurden, können heute direkt in der Praxis vorgenommen werden. „Die Dentalbranche, die mit Verbrauchsmaterialien und Ausrüstungsgegenständen weltweit einen Umsatz von rund 24. Mrd. Fr. erwirtschaftet, zählt zu den Wirtschaftssektoren, die am stärksten ihre Kunden bei der Umstellung auf elektronische Prozesse unterstützen“, schreibt die NZZ in einem Artikel vom 09. August 2017. Der Markt für neue elektronische Hilfsmittel wird für entsprechende Unternehmen immer grösser und wichtiger. Das treibt die Digitalisierung massgeblich voran.

Dank digitaler Prozesse ist es dem Zahnarzt heute möglich, Zahnersätze direkt in der Praxis zu modellieren, nachdem das Gebiss mit einem sogenannten Intraoral-Scanner vermessen wurde. Der Rechner erstellt in der Folge das Modell und übermittelt die Daten an eine Fräsmaschine, mit welcher eine neue Krone direkt in der Praxis gefertigt werden kann. Dadurch sind Zahnärzte nicht mehr auf externe Dentallabore angewiesen, sondern können den Zusatzaufwand direkt dem Patienten verrechnet. Im Gegenzug verkürzt die „Inhouse-Produktion“ von Zahnersätzen die Behandlungszeit eines einzelnen Patienten. Eine Win-Win-Lösung?

Effizienzgewinne sollen an Patienten weitergegeben werden

Aktuell profitiert der Patient nur von einer verkürzten Behandlung, jedoch (noch) nicht von günstigeren Tarifen. Die Anschaffung entsprechender Geräte ist sehr teuer, wodurch Zahnärzte auf zusätzliche Einnahmen angewiesen sind, um den Aufwand zu amortisieren. Besonders für allein praktizierende Zahnärzte kann dies eine hohe Belastung sein. Wie bei fast jeder neuen Technologie werden allerdings auch Zahnärzte über kurz oder lang dem Druck ausgesetzt werden, die Effizienzgewinne an ihre Patienten weiterzugeben.

Eine Welt der unbegrenzten Möglichkeiten?

Im Bereich der additiven Fertigung zählt die Dentalbranche ebenfalls zu den Vorreitern im Gesundheitswesen. Die additive Fertigung basiert auf dem Einsatz von 3D-Printern. Heute können bereits Gebissmodelle gedruckt statt im Labor gegossen werden. Dasselbe soll bald auch mit Kronen möglich sein. Der Vorteil des 3D-Druckverfahrens gegenüber dem Fräsen ist, dass nur so viel Material verbraucht wird wie effektiv benötigt. Bei so viel Innovationsdrang ist es absehbar, dass diese Visionen nicht lange auf sich warten lassen werden.

Quelle:
„Zahnärzte können sich die Hände reiben“ (Dominik Feldges / Neue Zürcher Zeitung, 09. August 2017, Nr. 182, 238. Jg.)
Bild: Fotolia

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