Datenschutz & Gesundheitsdaten: Die Insel der gläsernen Patienten

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Stellen Sie sich vor, die Forscher eines Pharmaunternehmens schreiben Ihnen folgenden Brief: «Lieber Herr Muster, laut der nationalen Patientendatenbank haben Sie vor einiger Zeit einen Herzinfarkt erlitten. Nach den Falldaten in Ihrem Patientendossier wären Sie ein optimaler Teilnehmer für unsere Studie…» Solche Anfragen könnten britische Patienten schon bald erhalten. Big Data im Gesundheitswesen mit gläsernen Patienten – in der Schweiz undenkbar, in Grossbritannien wohl bald schon Realität.

Das Fundament dafür legte das britische Gesundheitsministerium, indem es eine zentrale Datenbank einführte. In dieser sind alle Informationen, die Arztpraxen und Spitäler über ihre Patienten gesammelt haben, zentral zusammengeführt und gespeichert. Die Datenbank erlaubt jeder Ärztin und jedem Therapeuten auf der Insel den unmittelbaren Zugriff auf alle medizinischen Daten aller Bürger. Aber auch Forschungsgruppen, Pharmaunternehmen oder Versicherungen dürfen die Dossiers einsehen und können sie wohl auch für kommerzielle Zwecke nutzen.

Die Datensätze enthalten zwar keine Namen, via NHS-Nummer (vergleichbar mit der AHV-Nummer) könnten einzelne Patienten trotzdem identifiziert werden. Ein solcher „Datenschutz light“ ist hierzulande undenkbar. Herr und Frau Schweizer behalten die Rechte an ihren eigenen Daten im elektronischen Patientendossier! Einzelne Leistungserbringer können für einen Zugriff auf medizinische Daten im Patientendossier gezielt freigeschaltet werden, ein flächendeckendes Auswerten von Daten ist in der Schweiz nicht vorgesehen.

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