Baby-Fussfesseln – zu viel des Guten?

Baby-Fussfesseln

Gemäss einem Artikel von 20 Minuten prüft das Unispital in Lausanne die Beschaffung von 20 Baby-Fussfesseln. Diese sollen vor Entführungen schützen. Entführungen in einem Schweizer Spital? Gibt es das wirklich? Oder schürt diese Massnahme nur Ängste, die sonst gar nicht oder nur im Ansatz vorhanden wären?

Fakt ist, dass Baby-Entführungen in der Schweiz eher selten vorkommen. Zuletzt geschah es 2011 im Kantonsspital Münsterlingen. Ein Asylbewerber versuchte sein Kind in seine Gewalt zu nehmen. Mit einer Baby-Fussfessel könnte das theoretisch nicht geschehen, da ein Alarm ausgelöst wird, sobald der Säugling den definierten Bereich verlässt. Auch der Versuch, das Gerät zu öffnen oder entfernen, löst einen Alarm aus. Das Pariser Spital Le Raincy-Montfermeil entschied sich für diese Lösung, nachdem es mehrere Entführungen von Babies gegeben hatte. Insgesamt beschaffte es 40 Armbänder und kleine Kästen, die den Babies nach der Geburt angezogen werden. Auch eine Privatklinik in Luxemburg setzt diese ein.

Das Unispital Lausanne prüft nun dasselbe System wie in Paris – als erstes Schweizer Spital. Die Arm- oder Fussbänder kommunizieren über Antennen, die im Spital installiert werden. Insgesamt gibt es verschiedene Warnstufen. Die Höchste alarmiert das Sicherheitspersonal und blockiert automatisch alle Türen und Lifte. Zwar gibt es bereits ein Sicherheitssystem, trotzdem setzt das Spital auf diese zusätzliche Massnahme. Auch das Spital beider Basel prüft Möglichkeiten in dieser Richtung. Die Erfahrungen von Lausanne spielen dabei eine wichtige Rolle.

Benötigen wir in der Schweiz wirklich Sicherheitsmassnahmen dieser Art? Handeln wir nicht zu voreilig? Klar, die Argumentation des Unispitals Lausanne, dass sie vorsorglich handeln und nicht abwarten möchten, bis etwas geschieht, ist durchaus nachvollziehbar. Trotzdem würde ich abwarten und sehen, wie sich die Situation entwickelt.

Auch das Kantonsspital St. Gallen und das Zürcher Spital Triemli reagieren verhalten auf derartige Sicherheitsvorkehrungen. Sie verzichten auf eine solche Massnahme. Zugang zu den Kinderstationen erhalte man nur mittels Badge. Dies sei sicher genug. Eigentlich schon, oder?

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