Forschung: Apple zeigt Basel wie es geht

Das Research Kit von Apple erlaubt es Forschungsinstitutionen, einfach und schnell eigene Apps für ihre Studien zu entwickeln.
© Julia Tim – Fotolia.com

Die Teilnahme an medizinischen Studien erfordert normalerweise beträchtlichen Aufwand, sowohl für die Forschenden als auch für die Probanden. Man muss in eine Klinik anreisen, füllt viele Fragebögen aus und wenn man Pech hat, ist man gar nicht für die Studie geeignet. Auch für die Forschenden bedeuten Studien viel administrativer Papierkram, stundenlanges Zusammentragen von Ergebnissen und das Monate bis Jahre andauernde Rekrutieren von geeigneten Studienteilnehmern. Um dies zu ändern, hat Apple weltweit ihren ResearchKit lanciert. Die Software erlaubt es Forschungsinstitutionen, einfach und schnell eigene Apps für ihre Studien zu entwickeln. Die User können bequem von daheim aus teilnehmen – direkt von ihrem iPhone.

Die ersten mit ResearchKit entwickelten Apps untersuchen Asthma, Brustkrebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Parkinson. In den ersten Wochen ihrer Verfügbarkeit meldeten sich über 60‘000 iPhone-Nutzer an. Für die Herz-Kreislauf-Studie der Universität Stanford haben sich innerhalb von nur 24 Stunden bereits über 11’000 iPhone-Benutzer registriert. „So viele Personen dazu zu bewegen, sich für eine Studie einzuschreiben, würde normalerweise über ein Jahr dauern und die Zusammenarbeit von über 50 medizinischen Institutionen im ganzen Land erfordern.“ erklärte Alan Yeung, Leiter von Stanford Cardiovascular Health, gegenüber Bloomberg.

Weitere Vorteile: Die Daten aus dem iPhone lügen nicht, zum Beispiel, wenn es um die tägliche Bewegung geht. Hilfreich ist auch das GPS-Tracking. Dadurch könnten verschiedene Faktoren, wie zum Beispiel die Luftqualität in einer bestimmten Gegend, in die Studie miteinbezogen und so allenfalls wertvolle Zusammenhänge entdeckt werden. Diese sogenannten unabhängigen Daten können mit den in Smartphones standardmässig eingebauten Sensoren wie dem Beschleunigungsmesser, dem Barometer und den Bewegungssensoren erhoben werden. Aber auch das Mikrophon (Beispiel Parkinson), die Kamera und andere Komponenten eignen sich zur Datenerhebung. Zusätzlich können die Daten täglich oder auch im Minutentakt erhoben werden, ohne dass die Teilnehmer in ihrem Alltag eingeschränkt sind. Das war bisher eigentlich unmöglich.

Dank dem ResearchKit schafft es Apple, sich auf einen Schlag mitten ins Geschäft der Gesundheit zu katapultieren. Für einen kompletten Quereinsteiger kein schlechter Move. Das Gesundheitswesen hat gemäss Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO weltweit einen Wert von 6 Billionen Franken. Das dürfte auch für Apple gross genug sein, um sich dafür zu interessieren

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