Ärzteportale: Wer bewertet wen?

ärztebewertungsportale_ehealth

Meinungsführer leicht gemacht: Nirgendwo tun wir unsere Ansichten schneller und anonymer kund als im Internet. Für jede Dienstleistung und jedes Produkt gibt es heutzutage ein Portal, auf dem nach Herzenslust geschwärmt oder gezetert werden kann. Bewertungsprotale funktionieren dabei wie normale Umfragen: Je höher die Beteiligung, desto aussagekräftiger das Resultat. Bewertungen dieser Art werden von vielen Dienstleistern und Produzenten gefördert. Je nach Sparte gilt sogar: Quantität ist alles.

Bei Ärztebewertungsportalen liegen die Dinge etwas anders. Ein einziger negativer Kommentar kann da bereits rufschädigend sein. Wenn ich eine Ein-Sterne-Kritik zu einem Film lese, gehe ich trotzdem ins Kino. Aber gehe ich auch zu einem Ein-Sterne-Arzt?

Der Deutsche Bundesgerichtshof fällte kürzlich ein Urteil zu einer Patientenbewertung auf einem Portal. Der bewertete Zahnarzt wehrte sich und machte geltend, dass der Patient nicht bei ihm in Behandlung gewesen sei. In diesem konkreten Fall kehrte sich der Vorteil der Anonymität in einen Nachteil um, da der Patient grundsätzlich keinen Beleg für seine Bewertung liefern muss. Als Folge des deutschen Urteils müssen Betreiber von Bewertungsportalen bei einem Streitfall nun aber besser abklären, ob der Bewertende seinen Arztbesuch auch nachweisen kann.

Ungerechtfertigte Bewertungen sind auch in der Schweiz ein Thema. Auf dem Portal okdoc.ch überprüft ein Mediator alle Bewertungen und ist für deren Inhalt verantwortlich. Gegebenenfalls kann er ungerechtfertigte Kommentare löschen. Bei medicosearch.ch melden die Betreiber den betroffenen Ärzten alle negativen Kommentare. Die Ärzte haben in der Folge das Recht, die entsprechenden Bewertungen löschen zu lassen. Hält der Verfasser jedoch an seiner Version fest, wird die Bewertung wieder online geschaltet – und zwar so lange, bis der Arzt mit einer Stellungnahme die definitive Löschung beantragt. Die Anzahl der Stellungnahmen eines Arztes wird auf dem Portal publiziert, damit Ärzte durch dieses Vorgehen nicht einfach alle negativen Kommentare verschwinden lassen können.

Schweizer Ärzteportale funktionieren demnach fast wie das echte Leben: Jeder urteilt über jeden. Der Arzt bewertet den Kommentar seines Patienten, der ursprünglich die Leistung seines Arztes bewerten wollte. Das klingt umständlich, ist aber fair. Denn damit schliesst sich der Kreis, in welchem jeder das Recht auf eine eigene Meinung hat.

Bild: Fotolia

2 Kommentare “Ärzteportale: Wer bewertet wen?

  1. finde es eine Frechheit, dass sich Ärzte jetzt in die gleiche Liga wie Feriendestinationen stellen sollen?!!

    1. Danke Herr Meuchel für Ihren Kommentar, den wir natürlich im Sinne der Transparenz gerne freischalten! Ein persönlicher Dialog würde mich sehr freuen Twitter: @raphaelfrangi . Ich denke, dass eine Transparenz dem ganzen Gesundheitswesen nicht schaden wird!

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *