Ärztebewertung für mehr Transparenz im Gesundheitswesen?

Helfen uns Ärztebewertungen bei der Wahl des richtigen Arztes?

Bei uns in der Schweiz haben die meisten einen Hausarzt. Der Hausarzt kennt einen in der Regel sehr gut. Er weiss, welche Krankheiten wir schon hatten und worauf wir allergisch sind. Und auch wir kennen unseren Hausarzt und vertrauen ihm. Aber was mache ich, wenn ich in eine neue Stadt ziehe und einen neuen Hausarzt brauche? Oder ich will zu einem Spezialisten, zum Beispiel zu einem Orthopäden, kenne aber keinen?

Auch in diesem Fall hält das Internet mittlerweile Möglichkeiten bereit, wo sich Patientinnen und Patienten informieren können. Wie bei Versicherungen, Wohnungen oder beim Autokauf längst üblich, gibt es auch für Ärzte, Kliniken und andere medizinische Dienstleiter Bewertungsportale, in denen die Qualität des Angebots beurteilt werden kann. Diesen Webportalen ist gemein, dass sie vom Community-Gedanken leben. Die User bewerten die medizinische Leistung und helfen dadurch anderen Usern bei deren Entscheidung.

Ein solches Portal ist beispielsweise Okdoc.ch. Hier können Ärzte bewertet und weiterempfohlen werden. Der Wermutstropfen: Es sind nur positive User-Kommentare erwünscht. User-Kommentare, die einen Arzt kritisieren, werden gelöscht. Offener und interaktiver ist die Seite medicosearch.ch. Hier können sowohl gute als auch schlechte Bewertungen gepostet werden. Und falls ein Arzt oder eine Ärztin die Seite ebenfalls nutzt, kann auch gleich ein Termin ausgemacht werden.

Sind diese Bewertungsportale also ein gute Sache, um sich über medizinische Leistungen zu informieren und mehr Transparenz zu schaffen? Das ist momentan leider nur bedingt richtig. Auch wenn der Grundgedanke gut ist und sich ähnliche Portale in anderen Bereichen längst bewährt haben, leiden diese Webportale an denselben Kinderkrankheiten: Es sind einfach zu wenige Bewertungen online, um sich ein halbwegs objektives Bild zu machen.

Ein ganz anderes, viel vollständigeres Bild ergäbe sich für den Patienten, wenn radikal alle Daten – selbstverständlich anonymisiert und aggregiert – aus der Arztpraxis veröffentlicht würden: Anzahl Patienten, Art der Diagnosen, Laborresultate, verschriebene Medikamente,  Behandlungsdauer etc. Natürlich müssten diese einfach und selbsterklärend aufbereitet werden.  Zusammen mit den Patientenbewertungen hätte man so aber sicherlich eine gute Entscheidungsgrundlage für die richtige Arztwahl.

Was denken Sie? Sind medizinische Bewertungsseiten im Internet ein Modell für die Zukunft oder wie sollen Schweizerinnen und Schweizer im Gesundheitsbereich zu mehr Transparenz kommen?

4 Kommentare “Ärztebewertung für mehr Transparenz im Gesundheitswesen?

  1. Transparenz ist grundsätzlich eine feine Sache; im Prinzip. So publizieren viele Spitäler ihre aggregierten Fälle und Erfolgsquoten. Wer hilft mir jedoch, transparent verfügbare Daten zu interpretieren? Ein neues Geschäftsmodell für private Casemanger.
    Angesichts der Schwierigkeit, überhaupt einen Hausarzt zu finden, hat die Nachfrage getriebene Plattform riesige Attraktivität. Vorbedingung dafür – und angesichts der aktuellen Angebots-Knappheit von gigantischem Nutzen – wäre die digitale, portable Krankenakte.

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