Cybermobbing: «Machen wir sie fertig und stellen es ins Netz»

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Jeder zweite Jugendliche in Zürich wurde bereits einmal online gemobbt, so berichtete die Neue Zürcher Zeitung. Mobbing ist längst eine weit verbreitete Art von Gewalt. Doch durch das Internet hat das sogenannte Cybermobbing ein verheerendes Ausmass genommen.

Online first, offline second

Bereits vor dem Aufstehen ist das Smartphone in der Hand und auch beim abendlichen Zubettgehen darf ein letzter Check des Instagram-Accounts nicht fehlen. Laut dem US-Markforschungsinstitut dscout, welches die Smartphone-Nutzung von Menschen beobachtet hat, berührt ein Durchschnittsmensch 2’617 Mal am Tag sein Smartphone, so publiziert Galileo. Sei dies für ein simples «Gefällt mir» oder nur zur Entsperrung der Tastatur. Ohne das Smartphone geht nichts mehr.

Der digitale Fussabdruck nimmt immer mehr zu. Jedes «Gefällt mir», jede Online-Bewertung, jedes hochgeladene Foto – das Internet vergisst nicht. So wächst auch die Schattenseite von solch Social-Media-Nutzung rasant – negative Kommentare, Hass-Beiträge oder Gerüchte verbreiten sich wie ein Lauffeuer im digitalen Raum.

Was ist Cybermobbing?

Als Cybermobbing oder Cybergewalt bezeichnet man Mobbing via digitale Medien. Es betrifft immer mehr Menschen, in erster Linie Jugendliche, aber auch ältere Personen sind davon betroffen, so das Ärzteblatt. Cybermobbing reicht vom gemeinsamen Lästern über Drittpersonen im Messenger oder Chatgruppen bis hin zu ernstzunehmenden Bedrohungen. Die Psychologen Anja Schultze-Krumbholz und Herbert Scheithauer von der Technischen und Freien Universität Berlin erklären, dass sich zum Teil Schulhof-Mobbingopfer via Internet an ihren Peinigern rächen. Andere wiederum mobben aus «Langeweile» oder «Spass». Immer mehr behaupten, dass es das Opfer «verdient» hätte, gemobbt zu werden. Schleithauer meint gegenüber Zeitonline: «Cybermobbing deutet fast immer darauf hin, dass auch im realen Leben schlechte Stimmung herrscht. Oft füllen die Jugendlichen dabei bestimmte Rollen aus».

Die Psychologen erklären weiter, dass viele Mobber nicht wissen, wie viel Schaden sie anderen zufügen. Ganz nach dem Motto: «Ist doch nicht so schlimm, machen doch alle.» Expertin Anne Roth, Politologin und NSA-Mitarbeiterin, untersucht vor allem Cybermobbing in Bezug auf Frauen. Gegenüber Zeitonline unterscheidet sie zwischen Cybermobbing im persönlichen, direkten Umfeld von der Gewalt im öffentlichen digitalen Raum. Ersteres umfasst digitale Belästigung via E-Mail, das Ausspähen von Social-Media-Accounts, die Lokalisation via Spy-Apps oder die Publikation von privaten Informationen oder Bildern. Letzteres bezieht sich auf Beleidigungen, Stalking oder auch die Veröffentlichung privater Adressen im Internet.

Ein Drittel der Opfer von Cybermobbing läuft Gefahr, Suchtpotenziale wie Alkohol- oder Tablettenkonsum, Angstzustände oder gar Suizidgedanken zu entwickeln. Was sollen wir nun tun, alles Digitale aus unserem Leben verbannen? Zu Hause sitzen und auf das nächste digitale Zeitalter warten? Nein! Mit diesen Schritten kann man aktiv gegen Cybermobbing vorgehen:

So geht’s du vor:

1. Selbstzweifel verbannen: Die Schuld einer Cybermobbing-Attacke liegt niemals beim Opfer!
2. Nicht zurück mobben: Die Täter können schnell ihr Interesse verlieren, wenn man sich nicht auf ihre Attacken einlässt – das nimmt den ganzen «Spass» an der Sache.
3. Darüber sprechen hilft: Durch Gespräche mit nahestehenden Personen oder auch anonyme Anlaufstellen wird meist die Last etwas abgenommen.
4. Beweise sammeln und Cybermobber melden: Durch Screenshot oder Dokumentationen können Beweise gesammelt werden, die dazu führen, dass Personen aus Messenger oder Communities blockiert oder gesperrt werden.
5. Anzeige erstellen: Massives Cybermobbing ist strafbar und es kann rechtlich dagegen vorgegangen werden.

Quellen:
Ist doch nicht so schlimm, machen doch alle (Zeit online, 16.05.2017)
Tags und nachts in Cyberparks (Zeit online, 06.10.2017)
Cybermobbing – Prävention: Deutschland nur im unteren Mittelfeld (Deutsches Ärzteblatt, 01.06. 2016)
So oft berühren wir unser Handy pro Tag (Galileo, 2016)
Jeder Zweite leidet unter Cybermobbing (Neue Zürcher Zeitung, 05.05.2015)
Cybermobbing – WAS JETZT? (Jugend Support, 2015)

Bild: Fotolia

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